@charak
terziffer

Mit Spenden werben

Ein Bekannter hat mich gestern in einer Kurznachricht gebeten, seinen Verein zu unterstützen, die AIDS-Hilfe Wuppertal. Eine große Bank macht noch bis 7. November eine bundesweite Aktion, bei der sie tausend Vereinen jeweils 1000 € spendet. Es gibt je nach Vereinsgröße fünf Kategorien, in denen jeweils die 200 Höchstplatzierten die Spende erhalten. Alles, was der Verein tun muss ist, sich zu registrieren und Stimmen für sich zu sammeln.

Ich bin nicht ganz sicher, was ich von der Aktion halten soll. Natürlich, wer könnte etwas dagegen haben, dass Vereine mit einer Geldspende unterstützt werden? Andererseits ist das auch eine sehr offensichtliche Werbeaktion für die Bank. Sie spart sich, eine vergleichbare oder deutlich höhere Summe in eine bundesweite Kampagne zu stecken – und entlohnt somit keine Fotografen, Mediendesigner, Werbetexter und andere Kreativberufe (hab ich erwähnt, dass ich in der Medienbranche arbeite?).

Mehrere Tausend werben für die Bank

Stattdessen lässt die Bank die Vereine (zum überwiegenden Teil) kostenlos für sich arbeiten. Die Engagierten im Verein schreiben Freunde und Bekannte per Mail oder über Social Media an, weisen auf die Aktion hin, bitten um Stimmen und machen dabei auch immer Werbung für die Aktion, die der Bank das positive Image eines sozialen Wohltäters beschert (gerechtfertigt oder auch nicht).

Praktisch entsteht dabei unter den Vereinen eine Konkurrenz um Aufmerksamkeit, was ich für sehr kontraproduktiv halte. Statt gegeneinander zu agieren, sollten sich Vereine vernetzen und sehen, wie sie sich gegenseitig unterstützen können. Eine Aktion, die das fördert, wäre wirklich hilfreich.

Zum dritten werden mit höherer Wahrscheinlichkeit diejenigen Vereine „eine Spende gewinnen“, die sowieso schon eine breite Unterstützerbasis haben. Es zählt die Popularität. Hoffentlich sind das dann auch die Vereine, die wirklich gesellschaftliche Relevanz besitzen und mit dem Geld die beste positive Wirkung für unser Zusammenleben erreichen können. Im Augenblick liegen in den fünf Größen-Kategorien offensichtlich besonders Tierschutz- und Sportvereine recht weit vorne, daneben Tanz- und Musikgruppen.

Übrigens: Letztendlich habe ich meine Stimme trotzdem für den Verein meines Bekannten abgegeben. Werbung für die Bank mache ich hier aber nicht.

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Rubrik(en):  #kritik 

1 Kommentar

#1 Urfin

Bei mir kommen auch hin und wieder solche Aufrufe an, und ich mache mir dann genau ähnliche Gedanken wie Du hier. Manchmal ist auch der betriebene Aufwand so viel höher als der Nutzen (also was letztlich bei dem Gewinner-Verein ankommt), daß es ganz offensichtlich nur um die PR dabei geht.
In einem solchen Fall wie hier beschrieben, würde ich auch für den Freund/Verein mit abstimmen (ich habe es ja nun eh schon gelesen, und das Geld will ja verteilt sein), aber ich würde den Aufruf eben nicht noch weiter verteilen, um nicht der Bank noch kostenlos zuzuarbeiten.


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