@charak
terziffer

Unbekannte Lebensmittel (Vorsatz 2017)

Nein, ich habe keinen Surströmming versucht (den stinkenden, schwedischen Dosenhering) und auch bei Innereien habe ich mich zurückgehalten. Schließlich ging es bei meinem guten Vorsatz 2017 nicht darum, mich zu besonders ekligen Esswaren zu überwinden. Fürs vergangene Jahr hatte ich mir vorgenommen, jede Woche ein mir unbekanntes Lebensmittel zu probieren. Dabei wollte ich „meinen Geschmack herausfordern, bewusster essen und vielfältiger einkaufen“, schrieb ich vor einem Jahr.

Das hat ziemlich gut geklappt. Ich habe tatsächlich 52 Lebensmittel gefunden und war unter anderem zum ersten Mal in einem arabischen und chinesischen Supermarkt einkaufen. Wie bei allen Vorsätzen hat die Umsetzung nicht zu 100 % geklappt und ich war gelegentlich eine Woche zu spät oder zu früh dran, aber was soll’s?

Zum Jahresende möchte ich in einer kleinen Übersicht sammeln, was ich 2017 kulinarisch kennen gelernt haben. Es waren Dinge darunter, von denen ich nicht wusste, dass man sie essen kann (Lotusknollen) oder dass sie überhaupt existieren (Moltebeeren).

  1. Sweetie
  2. Spitzkohl
  3. Weißdornbeeren
  4. Lokum
  5. Wildschwein-Wurst
  6. Shiitake-Pilze
  7. Skyr
  8. Birkensaft
  9. Kiwibeeren
  10. Maniok
  11. Kartoffel-Tortilla
  12. Turrón
  13. Kaktusfeige
  14. Tintenfisch
  15. Lupinen-Aufstrich
  16. Schlangenfrucht
  17. Baranki
  18. Aprikosenkerne

Eine Frage der Definition

Schon bald nach meinem Beschluss habe ich gemerkt, das mein Vorsatz viel Spielraum lässt und ich ihn nicht ausreichend durchdacht habe. Denn was gilt eigentlich als unbekanntes Lebensmittel? Dürfen es nur Dinge sein, von denen ich noch nie gehört hatte (schließt Pfifferlinge aus)? Wie sieht es mit verwandten Sorten aus (Viola als Aubergine, Spitzkohl als Kohl)? Und sollte ich verarbeitete Nahrungsmittel von meinem Vorsatz ausschließen (Lokum, Hanfdessert und Reneklodenmarmelade)?

Letztlich habe ich die Begrenzung eher locker genommen, es ging schließlich darum, etwas zu probieren und keine wissenschaftliche Feldforschung zu betreiben. Bei verarbeiteten Lebensmitteln war mir aber wichtig, dass sie ausreichend typisch sind. Es zählte also nicht, einfach 20 verschiedene Teekekse zu probieren; wohl aber japanische Mochi, türkisches Lokum und spanische Yemas de Santa Teresa (quasi Gattungen, die es von unterschiedlichen Herstellern oft in verschiedenen Varianten gibt).

  1. Löwenzahn
  2. Wodka mit Feige
  3. Wasserkefir
  4. Halva
  5. Yemas de Santa Teresa
  6. Viola
  7. Halloumi
  8. Roquefort
  9. Renekloden
  10. Aloe-Vera-Saft
  11. Szechuanpfeffer
  12. Stachelgurke
  13. Arare
  14. Navette
  15. Aroniabeeren
  16. Mangostan
  17. Gebrannte Kürbiskerne
  18. Palmenherzen

Geschmackvolle Höhepunkte

Einige Lebensmittel sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Die leckerste Frucht war meiner Meinung nach die Kaktusfeige, die ich unbedingt wieder mal probieren muss. Vom Aussehen her sind wohl die Pitahaya (pink geflammte Schale, Geschmack etwas batzig) und die Lotusknolle (mit symmetrischen Löchern, erinnerte mich an eine feste Gurke) die Gewinner dieses Jahres.

Die Kartoffel-Tortilla habe ich mit zwei Freunden gekocht, das typisch spanische Gericht war sehr herzhaft. Besonders vielseitig fand ich Topinambur, das roh wie Kokos schmeckt, gekocht wie Süßkartoffeln und gebraten ein bisschen nach Karotte.

Sehr enttäuscht hat mich der Lupinen-Brotaufstrich. Er schmeckte leicht bitter und bestand im Grunde genommen vor allem aus Kokosfett. Das mehlige Halva (russisch) war mir ein bisschen zu heftig, recht süß und ganz schön gehaltvoll. Es hat mich ans spanische Turrón erinnert, welches aber statt nach Sonnenblumenkernen nach Mandeln geschmeckt hat.

Den Szechuanpfeffer habe ich von einem sehr freundlichen Mitarbeiter aus dem Botanischen Garten probieren dürfen. Die kleinen Körner prickeln im Mund und betäuben die Zungenspitze für eine Weile. Die Schlangenfrucht (Salak) hat mir mein Nachbar aus seinem Urlaub auf Bali mitgebracht, trocken erdbeerig süß. Und was ich von Roquefort halten soll, weiß ich nicht genau. Der Käse ist so ein Zwischending von salzig, scharf, würzig und ein bisschen eklig – vermutlich würde ich ihn aber wieder probieren.

  1. Lotuswurzel
  2. Kombucha
  3. Mochi
  4. Pfifferlinge
  5. Jackfrucht
  6. Berberitzen
  7. Topinambur
  8. Hanfdessert
  9. Okraschoten
  10. Kiwano
  11. Cherimoya
  12. Pitahaya
  13. Hibiskusblüten (kandiert)
  14. Moltebeeren
  15. Litschi
  16. Maulbeeren

Übers Essen nachdenken

Auf der Suche nach unbekannten Lebensmitteln war ich 2017 mit einem ganz anderen Blick einkaufen. Ich ging oft ohne richtigen Plan durch einen Laden, um etwas zu finden, von dem ich noch gar nicht wusste, dass ich es gesucht hatte. Ich hab in russischen, chinesischen und arabischen Geschäften die Etiketten studiert, komisches Obst beschnuppert und Verkäufern ratlos Fragen gestellt. Ein paar Mal habe ich nach dem Einkauf gar nicht gewusst, was genau ich da jetzt mit nach Hause nehme (Okra? Sind das irgendwelche Blüten? Wie isst man eigentlich Maniok?). Und zwischendurch kam die Frage auf, wie ökologisch es eigentlich ist, exotische Dinge zu essen. Und ob es nicht viel mehr heimische Lebensmittel gäbe, die im Handel einfach kaum Beachtung finden? Es ist jedenfalls ein ziemlicher Wahnsinn, auf welche Esswaren aus aller Welt wir heutzutage Zugriff haben.

Was ich mir für 2018 vornehme, weiß ich übrigens noch nicht genau. Vielleicht, jeden Tag ein bisschen an einem Schriftentwurf zu arbeiten, damit die Schrift in einem Jahr fertiggestellt ist.

---
Rubrik(en):  #ansporn  #kritik 

Artikel kommentieren

Kommentare werden überprüft, bevor sie freigeschaltet werden. Alle Angaben sind freiwillig, es gibt keine Pflichtfelder (außer das Kommentarfeld selbst).

 (Pseudonym möglich)
 (wird nicht veröffentlicht)

Formatierungen mit HTML sind möglich, z. B. <em>betont</em>, <strong>hervor­gehoben</strong> oder <code>Quelltext</code>. Außerdem Verlinkungen (<a href="http://verlinkte-website.de">Linktext</a>) und Bilder (<img src="http://pfad-zum.de/bild.jpg" alt="Bildbeschreibung">).

← Kleiner Wandkalender für 2018

Kontext für Fakes →