@charak
terziffer

Manches braucht mehr als 140 Zeichen …

Auf dieser Website ist Platz für das, wofür mein Twitterprofil @charakterziffer nicht ausreicht. Mein Blog ist als Plus zu meinen Tweets gedacht, eben „@cz+“. // Die letzten drei Artikel:

Überzeugende Argumente

Man kann nicht fünf Wölfe und ein Schaf über das Abendessen abstimmen lassen.

Dieses Zitat stammt vom amerikanischen Verleger Larry Flynt. Er ergänzt: „Das Mehrheitsprinzip funktioniert nur dann, wenn die Rechte von Einzelnen berücksichtigt werden.“

Ich bin allgemein recht skeptisch, welches Gewicht die Meinung einer Mehrheit haben sollte. Natürlich erkennt man eine gewisse Tendenz, wenn ein großer Anteil von Personen sich für eine bestimmte Entscheidung ausspricht. Das bestätigt aber noch lange nicht, dass dies auch die fairste Lösung oder zutreffendste Antwort ist. (Besonders eine knappe Entscheidung sagt für mich vor allem aus, dass nicht ausreichend über die eigentlichen Wahlmöglichkeiten nachgedacht wurde.)

Gerade in Zeiten von Social Media lassen sich Mehrheiten leicht mit populistischen (Falsch-)​Behauptungen gewinnen; oder die Einhelligkeit einer Meinung wird von organisierten Trollgruppen nur vorgespiegelt (Stichwort 50 Cent Army). Der Mehrheit kann auch schlicht das nötige Wissen oder die Empathie für Betroffene fehlen, um eine informierte, gerechte Entscheidung zu treffen.

Wenn nicht auf Mehrheiten, sollte man sich dann zum Beispiel auf bekannte, hochrangige Meinungsführer verlassen? Das finde ich auch nur bedingt. Sowohl kann großer Unsinn von wichtigen Personen kommen (muss ich hier Donald Trump erwähnen?), als auch brillante Betrachtungen von Leuten mit zweifelhaftem Ruf (der oben genannte Larry Flynt produziert vor allem pornografische Magazine). Und nun?

Logisches Argument

Ich glaube sehr an Argumente. Im Deutschunterricht habe ich Erörterungen noch gehasst, doch mittlerweile bin ich froh, dabei das Handwerkszeug zum Argumentieren beigebracht bekommen zu haben. Zur Erinnerung, ein Argument besteht aus Behauptung, Begründung, Beispiel und einer abschließenden Folgerung. Praktisch umgesetzt:

(Behauptung) Auch prominente Personen treffen nicht unbedingt die beste Entscheidung zum Wohle aller.
(Begründung) Jeder, egal wie bekannt, hat Überzeugungen, Interessen, Voraussetzungen und bestimmte Informationen zur Verfügung. Wie umfassend und objektiv diese sind, hängt nicht vom Bekanntheitsgrad einer Person ab, sondern zum Beispiel von deren Interessen, kulturellem Hintergrund und ihrer Bildung.
(Beispiel) Beispielsweise schlägt der sehr bekannte Präsident Donald Trump keine wirksamen Gegenstrategien vor, um Schießereien in Schulen zu vermeiden. Auffälligerweise ist Donald Trump von starkem Wirtschaftsglauben geprägt (Deregulierung, das Recht des Stärkeren) und bekommt viel Unterstützung der amerikanischen Waffenlobby.
(Folgerung) Dass eine Person einen hohen Bekanntheitsgrad hat, führt nicht automatisch dazu, dass sie sich für die Allgemeinheit einsetzt.

Puh, jetzt weiß ich auch wieder, warum ich das förmliche Argumentieren nicht besonders mochte. Man produziert schnell weitere Aussagen, die man belegen müsste („keine wirksamen Gegenstrategien“, „bekommt Unterstützung der Waffenlobby“) und wiederholt offensichtliches („Jeder hat Überzeugungen, Interessen …“). Wer es trotzdem genauer wissen möchte, kann beim Bayerischen Rundfunk nachlesen, wie man Erörterungen aufbaut. Ich bin froh, hier nicht in der Schule zu sein und ein bisschen „schlampiger“ argumentieren zu können – so wie in diesem Blogartikel.

Nicht überzeugend

Natürlich ist die Form des Arguments kein Allheilmittel. Schließlich kann man – das tun Anwälte beruflich – für jede Seite argumentieren. Auch für solchen Humbug wie: In England sind die Menschen glücklicher als in Deutschland; denn die englische Sprache enthält mehr Vokale als das Deutsche und ist damit heiterer. Der beste Beweis ist meine optimistische Oma, die in London aufgewachsen ist. Darum sollten wir alle nur noch englisch sprechen. – (Ich verweise hier auf meine Twitterserie Erfundene Fakten)

Das schöne ist, man sieht einem gut strukturierten Argument leichter an, wie plausibel es ist. Fadenscheinig wird es, wenn die Begründung selbst aus unbelegbaren Behauptungen besteht oder ein seltener Einzelfall als typisches Beispiel herhalten muss; Leseempfehlung: Argument-Typen bei Wortwuchs.net. Außerdem kann ein Argument andere, viel wichtigere Aspekte völlig ausblenden, beispielsweise:

Alle Menschen sollten mit einem Chip ständig geortet werden können. Viele Einbrüche lassen sich nicht aufklären, weil die Polizei nicht feststellen kann, wer sich am Einbruchsort aufgehalten hat. Schon jetzt funktionieren Fußfesseln sehr gut zur Überwachung. Um Verbrechen besser aufzuklären, sollte man die Ortungsmöglichkeit aller Menschen vorantreiben. – Wo bleiben hier Privatssphäre, Verhältnismäßigkeit, Freiheitsrechte und die Unschuldvermutung? Sie kommen hoffentlich dann in den entsprechenden Gegenargumenten.

Ähnlich ist es mit dem Eingangszitat über die Wölfe und das Schaf. Es existiert in einigen Abwandlungen (siehe englischsprachige Diskussion auf Democratic Underground und auf Reddit). In einer Varianten mit einem bewaffneten Schaf soll damit begründet werden, dass Waffen dem Schutz von Minderheiten dienen.

Ein guter Argumente-Schmieder

Wen ich übrigens sehr für seine Argumentationsfähigkeit bewundere ist Ralf Herrmann. Er analysiert eine Fragestellung unglaublich sachlich und begründet Punkt für Punkt, wie er zu seiner Einschätzung kommt. Ich schätze das sogar, wenn ich nicht seiner Meinung bin, weil es mich anregt, mir wirklich Gedanken über meine Position zu machen.

Zwei Beispielartikel von Ralf: Übers Argumentieren schreibt er in Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Den angeblich so gravierenden Vorteil des langen ſ zerpflückt er in Das Wach-Stuben-/Wachs-Tuben-Argument.

Abschließend mein Wunsch für jede Diskussion (vor allem online): Nicht lauter brüllen, sondern besser argumentieren.

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Mauszeiger selbstgemacht

Der Mauszeiger verrät nicht nur, wo sich die Maus gerade auf dem Bildschirm befindet. Er verändert sich auch und zeigt an, ob man sich über einem Text befindet, ein Fenster vergrößern kann, ein Objekt verschiebt und vieles mehr. Hier einige Beispiele (Maus über die Felder bewegen):

help
wait
not-allowed
zoom-in
pointer
nesw-resize
progress
move

Vor einer Weile habe ich bemerkt, dass einige Mauszeiger in meinem Standard-Set fehlen. Daraufhin habe ich mein eigenes Mauszeiger-Set gezeichnet:

Alle Mauszeiger meines Sets „cz-viator“. Die 15 eingerahmten Cursors sind auch für Windows verfügbar.

Ich habe es cz-Viator genannt, lateinisch für „Reisender“. Und weil ich schon dabei war, habe ich noch eine schwarze Variante angefertigt und unterschiedliche Spinner ausprobiert – die sich drehenden Teile, die eine (Hintergrund-)Aktivität signalisieren.

Einige Beispiel-Cursors aus der schwarzen Variante „cz-Viator (Black)“. Dazu vier animierte Cursor-Varianten, die optional verwendet werden können.

Meine Mauszeiger verwenden

Ursprünglich habe ich cz-Viator für mein Ubuntu-Betriebssystem erstellt. Da es aber auch für Windows-Nutzer interessant sein könnte, habe ich es dafür umgewandelt (wobei sich in Windows nur 15 der 60 Cursor nutzen lassen).

cz-Viator (weiß)
für Linux
cz-Viator (schwarz)
für Linux
cz-Viator (weiß)
für Windows
cz-Viator (schwarz)
für Windows

Auf Linux-Computern entpackt man den heruntergeladenen zip-Ordner und verschiebt ihn in den Ordner .icons im eigenen home-Verzeichnis. Je nach Linux-Variante kann man danach das Mauszeiger-Set über ein Tweak Tool oder in den Systemeinstellungen auswählen.

Für Windows ebenfalls den zip-Ordner entpacken. Darin liegt eine Datei INSTALL.inf. Diese mit rechts anklicken und Installieren auswählen. Jetzt auf dem Desktop rechtsklicken, Anpassen wählen. Im neuen Fenster Designs und Mauszeiger auswählen. In der Liste unter Schema steht cz-Viator nun zur Auswahl.

Genauer beschreibe ich die Installation auf englisch unter https://github.com/charakterziffer/cursor-toolbox#install.

Motivierende Lücke

Was mich motiviert hat, ein eigenes Cursor-Set zu gestalten? Mir war aufgefallen, dass mein Firefox-Browser keine Zoom-Lupe mehr anzeigt. Sonst verwandelte sich der Mauszeiger über Bildern, die man vergrößern kann, immer in ein Lupensymbol; jetzt blieb es bei einem normalen Pfeil. Der Grund war, dass im Firefox ein Fehler behoben wurde, nämlich dass statt eines Fallback-Cursors der entsprechende eigene Cursor gezeigt wird (Bug 1328724). Problem: Das verwendete Mauszeiger-Set DMZ White hatte gar keinen Zoom-Cursor.

Meine erste Idee war, nach einem Update der Mauszeiger zu suchen. Das von mir verwendete DMZ White ist schließlich das Standard-Cursor-Set im doch recht verbreiteten Ubuntu Linux; außerdem ist es in vielen weiteren Linux-Varianten vorinstalliert. Eine Quelle, die noch gepflegt wird, konnte ich allerdings nicht finden.

Als zweites habe ich jimmac, den Entwickler von DMZ, über Twitter angeschrieben, ob er sein Mauszeiger-Set nicht ergänzen möchte – leider ohne Antwort. Nach ein bisschen Suchen fand ich einen alten Kommentar von ihm, dass sein Cursor-Set nicht mehr aktualisiert werden würde. Er scheint nun lieber anAdwaita zu arbeiten, die Standard-Icons von Gnome-Linux. Leider sind diese Cursor schwarz und gefallen mir nicht 100%ig.

Da half nur eines: Selbermachen. Habe mir also die Originalquellen der DMZ-Mauszeiger und vergleichbare neuere Sets gesucht, aber statt nur die fehlenden Zeiger zu ergänzen dann doch gleich alles neu gezeichnet.

Damit mein Set leicht angepasst oder verändert werden kann, habe ich es als Open Source mit der Linzenz GPLv3 veröffentlicht. Die Quelldateien finden sich unter https://github.com/charakterziffer/cursor-toolbox. Damit lassen sich auch die anderen Spinner-Cursors erstellen.

Pinguin (im Download-Feld) CC-BY von Yi Chen (thenounproject.com), Windows-Logo CC0 von simpleicons.org

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Die Blöße der Unwissenheit

Etwas nicht zu wissen kann peinlich sein, oder ein Zeichen von Schwäche. Wenn ich eine Wissenlücke geschickt umschiffe und notfalls ein bisschen bluffe, dann stehe ich immer noch gut da und erfahre manchmal sogar noch, was ich nicht wusste. Andererseits ist es ganz schön anstrengend, sich aufs Glatteis zu begeben.

Schön, wenn man jemanden kennt, der einen nicht auslacht oder die Augen verdreht, weil man gerade nicht so richtig Ahnung hat. Noch besser, wenn derjenige dann weiterhilft und vielleicht noch einen guten Rat in der Tasche hat. Oft bekommt man eine andere Perspektive oder einen neuen Anstoß, um weiterzumachen.

Wen fragt ihr um Rat, wenn ihr euch in einer Sache unsicher seid? Die Ballerina in meiner Twitterserie wendet sich vertrauensvoll an den Fuchs. Die letzten Tweets dieser Reihe:

⏱ „Wenn intensives Nachdenken nichts bringt, dann hilft Geduld“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Warte ab und die Idee kommt von allein.“ (#)

⧉ „Sich selbst einzuschätzen ist schwer“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Frag andere nach ihrer Meinung, das gibt dir eine Orientierung.“ (#)

𝈎 „Ich weiß, dass dein Opa dich toll findet“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Kritik hilft dir aber nur, wenn sie wirklich ehrlich ist.“ (#)

✗ „Wer einen Fehler zugibt, sollte nicht bestraft werden“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Besser du belohnst die Einsicht desjenigen.“ (#)

※ „Pass auf“, warnte der #Fuchs die Ballerina, „dass du mit einem überzogenen Anspruch an deine Arbeit nicht dein eigener Feind wirst.“ (#)

䷇ „Vergiss nicht: Eine Aufführung ist immer Team-Arbeit“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Achte alle, die dich glänzen lassen.“ (#)

ⓧ „Klar, kannst du dich auf der Bühne ausziehen“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Ist es für dich stimmig und fühlst du dich dabei wohl?“ (#)

(Dabei hat der Fuchs Anfang 2011 noch behauptet: „Mag sein, dass Kunst alles darf, das heißt aber nicht, dass sie alles machen muss. Bleib angezogen.“)

䷂ „Wenn man’s kann, ist es nicht schwierig“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Doch sei nicht überheblich, auch du musstest es erst lernen.“ (#)

⁕ „Verschieb lieber etwas und nimm dir mehr Zeit“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Besser als schusselige Arbeit, womöglich mit Fehlern.“ (#)

⛂ „Eine echte Schwäche wäre, Unwissenheit niemals einzugestehen“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. (#)

Die anderen Blogeinträge zu dieser Twitterserie:

1. … sprach der #Fuchs zur Ballerina
2. Weisheiten für sensible Künstler
3. Ballerinas Selbstzweifel
4. Ein Fuchs für alle Fälle
5. Pirouetten und andere Probleme
6. Ausgefuchste Antworten
7. Vorgaben hinter sich lassen

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Sonstiges

Warum „Charakterziffer“?

Das Wort kombiniert Persönlichkeit (Charakter) mit Sachlichem (Ziffer). Zusammengesetzt ergibt sich ein Synonym für Mediävalziffer, eine Zahlenvariante mit Ober- und Unterlängen.

Schriftarten dieses Blogs

Wenn dein Browser eingebettete Schriften (WOFF/WOFF2) unterstützt, dann liest du die Fließtexte hier in der Source Sans Pro von Paul D. Hunt, erschienen 2012 bei Adobe.

Die Überschriften sind aus der czSlab gesetzt, die ich für dieses Blog gestaltet habe. Sie orientiert sich an Yanones viel ausgefeilterer Antithesis von 2014.


Impressum/Datenschutz

Anbieterkennzeichnung nach TMG §5:

Gerhard Großmann · Geibelplatz 10 · 93051 Regensburg
E-Mail: postfach2b [ät] web.​de, SMS: 0178/1961914

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Website zuletzt erstellt: 2018-06-07T13:00:55+02:00