@charak
terziffer

Nicht originell genug?

Wenn ich nach Ideen suche, steht mir oft ein Gedanke im Weg: Vergiss es, das ist nicht originell. Wie von einem bösen Kritiker folgen gleich weitere Gründe: Das sieht aus wie das Logo dieser Automarke, so eine verbrauchte Floskel, das hat Picasso doch auch schon so gemacht – nur besser! Ganz schön demotivierend, dieser Anspruch an einen selbst, etwas Neues, Originelles schaffen zu wollen.

Meiner Erfahrung nach ignoriert man solche Bedenken am Anfang besser komplett. Erst mal unkritisch alles sammeln, selbst wenn es nicht so eigenständig erscheint. Seien wir mal ehrlich: Irgendwie war fast jede Idee schon mal in der einen oder anderen Weise da und baut auf Vorhandenes auf. Der eigentliche Trick ist doch, die anfänglichen Ideen weiterzuentwickeln, sie auf die Problemstellung anzupassen, ein wenig damit zu spielen. Dabei entsteht dann oft etwas, das ein klein wenig origineller ist als das schon Dagewesene.

Vielleicht passend dazu: Die Idee zu meiner Serie „Fuchs und Ballerina“ habe ich ganz schamlos von Sascha Sprunk (@elbpoet) abgeleitet. Ich habe den kleinen Löwen seiner Twitterserie in eine Tänzerin umgewandelt und aus seinem Seemann einen Fuchs gemacht. Hätte ich mir damals gesagt: „Ach lass mal, so eine ähnliche Twitterserie gibt es doch schon.“ …

Hier übrigens die neusten Folgen:

𝄇 „Bloße Geschmackssache?“, staunte der #Fuchs mit der Ballerina. „Laien haben keine Ahnung, wie viel Konzept und Können dahinter steckt.“ (#)

♥ „Tanzt du nur für den Applaus?“, fragte der #Fuchs die Ballerina. „Sind Likes & Favs so wichtig geworden, dass dich Stille verunsichert?“ (#)

⊙ „Engagier dich nie für Arschlöcher“, sagte der #Fuchs zur Ballerina. „Sie lassen dich fallen, sobald sie in dir keinen Nutzen mehr sehen.“ (#)

⮽ „Überleg dir, in welcher Gesellschaft du leben möchtest“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Wie viel kannst du selbst dazu beitragen?“ (#)

□ „Manchmal sind die Vorgaben so eng“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Mit Kreativität kommst du dann nicht zu einer gewünschten Lösung.“ (#)

≘ „Ich weiß, dass dein Tanz keine naturalistische Abbildung ist“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Manchen musst du aber erklären, dass du eher einen Wesenszug wiedergibst.“ (#)

⚖ „Durch deine Liebe zum Tanz“, sprach der #Fuchs zur Ballerina, „sind Arbeit und Freizeit eins. Du musst Hobby und Beruf nicht trennen, aber achte darauf, dir genügend Ruhe zu gönnen.“ (#)

⚒ „Vorstellen kann man sich ja vieles“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Können heißt, nach einer Weile die Fantasie zu zügeln und auch umzusetzen.“ (#)

⧴ „Routinen und Regeln helfen, schnell voranzukommen“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Ob man damit aber bis zum Ziel kommt?“ (#)

⫯ „Originalität ist schon wichtig“, sagte der #Fuchs zur Ballerina. „Aber verwirf nicht gleich jede Idee, nur weil sie schon jemand vor dir hatte. Versuche sie weiterzuentwickeln.“ […] (#)

Den letzten Tweet über den kleinen Löwen hat Sascha Sprunk vor über vier Jahren veröffentlicht. Meine Serie dagegen läuft noch und hat inzwischen über 100 Folgen. Die anderen Blogeinträge zu dieser Twitterserie:

1. … sprach der #Fuchs zur Ballerina
2. Weisheiten für sensible Künstler
3. Ballerinas Selbstzweifel
4. Ein Fuchs für alle Fälle
5. Pirouetten und andere Probleme
6. Ausgefuchste Antworten
7. Vorgaben hinter sich lassen
8. Die Blöße der Unwissenheit

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Rubrik(en):  #serie 

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