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Kontext für Fakes

Zum Glück eher selten landen in meiner Twitter-Timeline Meldungen, die mehr als unglaublich wirken. Zum Beispiel dass beim Staatsbesuch in Saudiarabien Angela Merkels unbedeckte Haare im Fernsehen verpixelt wurden. Oder von einem “Escherian Stairwell”, einem Treppenhaus bei dem man wie in M. C. Eschers Zeichnungen immer wieder im gleichen Stockwerk ankommt. – Und natürlich sind das Fakes. Wenn etwas unglaublich erscheint, ist es oftmals auch nicht wahr.

Ich schau immer nach, wer diese Meldung in meinen Twitter-Feed retweetet hat – denn es sind grundsätzlich Retweets, niemals ein Originaltweet von jemandem, dem ich folge. Und dann frage ich mich, warum derjenige diese Meldung für so wichtig hielt, dass er sie an alle seine Follower weitergeleitet hat. Weiß der Retweeter, dass er auf einen Fake reinfällt?

Auf Rückfrage gelöscht

Oft schreibe ich denjenigen dann an, frage nach und schicke einen Link zur Richtigstellung mit (die es in der Regel auch schon längst gibt). Und sehr schnell verschwindet der Retweet wieder. Falls nicht und es kommt öfter vor, entfolge ich demjenigen.

Stellen wir uns mal vor, das würde jeder so machen … Plötzlich hätten Fake News keine Chance mehr, irgendwen zu erreichen. Klingt nach Utopie? Nun ja, jeder einzelne kann mitmachen. Klingt nach Spielverderber? Vielleicht. Wobei ich sagen muss, dass ich nichts gegen Fakes habe, die einfach nur lustig sind. Die kann man dann aber einfach direkt kennzeichnen. Eine nachträgliche Richtigstellung erreicht in der Regel viel weniger Leser als die vorangegangene Behauptung. Wer Fakes nur verbreitet, um Leute zu manipulieren, sie aufzuwiegeln oder zu entzweien, hat keine Aufmerksamkeit verdient. Selbst wenn seine Falschmeldung lustig ist.

Meine letzten Fakenews

In einer Twitterserie erspinne ich regelmäßig Fakes. Sie bekommen aber von vornherein den entsprechenden Kontext – durch das „Erfundenes Faktum“. Die zehn letzten Tweets dieser Serie:

▩ Erfundenes Faktum № 71: Wegen des beginnenden Pollenflugs säubern sich Tiere wieder vermehrt das Fell. Daher der Begriff „Frühjahrsputz“. (#)

🥚 Erfundenes Faktum № 72: Laut einer tschetschenischen Studie sind rosagefärbte Ostereier bei Jungs am beliebtesten. (#)

𐇧 Erfundenes Faktum № 73: Die Maya-Kultur kollabierte aufgrund gesellschaftlicher Unruhen, kurz nachdem dort soziale Medien erfunden wurden. (#)

➿ Erfundenes Faktum № 74: Reibt man seine EC-Karte länger am Kopfhaar, wird bei der nächsten Überweisung nichts vom eigenen Konto abgebucht. (#)

₿ Erfundenes Faktum № 75: Für Alltagszwecke wird zum 15.7. der „Bitsy“ als ⅟₁₀₀ Bitcoin eingeführt. 1 Bitsy liegt aktuell bei rund 20,40 €. (#)

🍨 Erfundenes Faktum № 76: Der Verzehr von Speiseeis erhöht die Attraktivität gegenüber der Vespula vulgaris und der V. germanica. (#)

⤵ Erfundenes Faktum № 77: Das Sprichwort „Alles Gute kommt von oben“ stammt noch aus der Zeit, als sich Küchen im Obergeschoss befanden. (#)

ꤟ Erfundenes Faktum № 78: Wegen des Horror vacui wächst in fast leeren Zahnpasta-Tuben über Nacht eine geringe Menge Zahnpasta nach. (#)

≮ Erfundenes Faktum № 79: Fast alle Hochkulturen sind bisher untergegangen, weil zwei Männer glaubten, den Stärkeren markieren zu müssen. (#)

∬ Erfundenes Faktum № 80: Neue Grenzen für Fakenews – Seit 1. Januar dürfen sie nur noch zwei Verschwörungstheorien gleichzeitig beinhalten. (#)

In einem früheren Blogbeitrag habe ich mich schon einmal damit beschäftigt, wann man etwas retweetet und wann man es besser sein lässt. Diese Twitterserie gibt es übrigens schon seit Dezember 2010. Als Blogeintrag gebündelt habe ich die Folgen 1–16, 17–28, 29–40, 41–50, 51–60, 61–70 und 71–80.

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Rubrik(en):  #serie 

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