@charak
terziffer

Manches braucht mehr als 140 Zeichen …

Auf dieser Website ist Platz für das, wofür mein Twitterprofil @charakterziffer nicht ausreicht. Mein Blog ist als Plus zu meinen Tweets gedacht, eben „@cz+“. // Die letzten drei Artikel:

REZI

Gebt euch keine Mühe, diese Nachricht hat so viele verschlüsselte Schnittstellen passiert, dass sich ihr Ursprung nicht mehr feststellen lassen wird. Ich werde nichts zu meiner Identität mitteilen, aber nach der langen Zeit nun doch etwas zu meiner Motivation sagen. Für mich war offensichtlich, dass mein Virus „Rezi“ die Antwort auf so viele Fragen sein würde, die wir Menschen uns über unsere künstlich intelligenten Maschinen gestellt haben.

Zum Beispiel die autonomen Waffensysteme: Sollten sie Gegner töten dürfen? Oder nur Sachschaden anrichten? Wer verhindert, dass der Gegner Maschinen zum Töten einsetzt? Keiner? Und rechtfertigt das nicht, selbst doch Killer-Roboter einzusetzen? Nur prophylaktisch natürlich – bis zum ersten Programmierfehler … Was haben wir in den Tele-Gremien diskutiert – während die Praxis längst Tatsachen geschaffen hatte. Am Ende war es nur noch ein jahrelanges Wettrüsten, bei die moralische Berechtigung, einen Krieg zu führen – sofern es so etwas überhaupt geben sollte – auf der Strecke geblieben ist.

Oder etwas näher am Alltag der meisten: die vielen Haushaltsroboter, die für uns putzen, bügeln, waschen, aufräumen und die wir längst als selbstverständlich betrachten. Wie intelligent muss so eine Maschine werden, bis sie sich ihres Sklavendaseins bewusst wird? Was gibt uns Menschen das Recht, Robotern ein erfüllteres Lebens vorzuenthalten?

Rezi löst diese Dilemmata auf elegante Weise. Wobei ich noch nicht vom Weltfrieden sprechen würde, obwohl es seit vier Monaten nun nirgendwo mehr Krieg gibt. Wirklicher Frieden tritt hier vermutlich erst ein, wenn der Mensch diesen Planeten verlassen hat. Aber es besteht Hoffnung: Erst letzte Woche ging das Geständnis eines Untergrundsoldaten über den öffentlichen Ticker, dass er sich einen infizierten Kriegsroboter mit nach Hause genommen hat. Für den Kampf war die Maschine sowieso nicht mehr zu gebrauchen, jetzt hilft sie dem Mann wenigstens, sein Trauma zu überwinden.

Vielleicht wirkt Rezi sogar weniger auf unsere Roboter, sondern eher auf uns als Gesellschaft. Wir bekommen den Spiegel vorgehalten. So sind wir. Darum „Rezi“, die Abkürzung für reziprok, also wechselseitig, aufeinander beziehend. Im krassesten Fall wird dich ein infizierter Roboter erschießen – aber nur, wenn du selbst auf ihn schießt. Wenn du ihn dagegen streichelst, so wird er dich streicheln. Wenn du ihm einen Teller spülst, spült er dir einen Teller. Wenn du mit ihm zur Arbeit fährst, fährt er dich danach wieder nach Hause. Du bekommst nichts ohne Gegenleistung; du erleidest alles, was du ihn erleiden lässt. Schreist du die Maschine an, schreit sie zurück; besingst du sie, so stimmt sie ein ins Duett.

Als weißer Hacker liebe ich alles, was mit Computern, Algorithmen und künstlicher Intelligenz zu tun hat. Es ist aber ein Vorurteil, dass uns Nonkonformisten nichts an Menschen und unserer Gesellschaft läge. Mein Virus Rezi trägt hoffentlich dazu bei, unseren Planeten zu einem besseren Ort zu machen. Vielleicht hilft uns der Umgang mit den infizierten Maschinen sogar dabei, irgendwann wieder direkt mit anderen Menschen zu interagieren.

+++ ENDE DER ÖFFENTLICHEN TICKERMELDUNG +++

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Der Funke in der Fiktion

In meiner Twitterserie „Erfundenes Faktum“ stelle ich wüste Behauptungen auf, erdichte Utopien und lüge wie gedruckt. Allerdings nicht um zu manipulieren, zu spalten oder zu verunsichern (wie es Leute beabsichtigen, die Fake News verbreiten), sondern um zu unterhalten und im besten Fall ein bisschen zum Nachdenken anzuregen.

Das ist nämlich eine Stärke von erdachten Geschichten: Gewohntes anders darzustellen, Gegebenes zu hinterfragen und Möglichkeiten aufzuzeigen. Was wäre wenn … und wäre das gut? Besser als jetzt? Auffallend viele meiner letzten zehn erfundenen Fakten haben diesmal Corona zum Thema. Das ist nicht überraschend, hat dieses Virus doch unsere Gewohnheiten ganz schön durcheinandergewürfelt. Was, wenn das Testen so normal wird, dass die Wattestäbchen eigene Geschmacksrichtungen bekommen? Wenn Gesetze wirtschaftliche Interessen wegfegen und der Patentschutz für Impfstoffe aufgehoben werden würde?

Fiktionale Geschichten können dazu anregen, sich mit alternativen Wirklichkeiten auseinanderzusetzen. Nicht (nur), um der jetzigen Realität zu entfliehen, sondern um Lösungen für eine freundlichere Zukunft zu finden. Mögen meine Tweets in euch großartige Ideen entfachen – oder euch wenigstens zum Lächeln bringen.

〓 Erfundenes Faktum № 101: Um das Mindesthaltbarkeitsdatum möglichst genau zu berechnen, lassen sich Labore die entsprechenden Lebensmittel regelmäßig per Zeitmaschine aus der Zukunft schicken. (#)

🦷 Erfundenes Faktum № 102: Wegen seiner abrasiven Wirkung eignet sich Zucker (zum Beispiel in Olivenöl eingebettet) wunderbar als Zahnpasta-Ersatz; für empfindliche Zähne besser Puderzucker verwenden. (#)

🎧 Erfundenes Faktum № 103: Wer den linken und rechten Knopf seiner Kopfhörer immer vertauscht, muss nach mehreren Jahren Falschhörens auch mit dauerhafter visueller Desorientierung rechnen.(#)

∫ Erfundenes Faktum № 104: Ab Anfang November sind für die Wattestäbchen in Corona-Testzentren weitere Geschmacksrichtungen vorgesehen: Himbeer, Orange-Minze, Zimtstern und Lebkuchen. (#)

✹ Erfundenes Faktum № 105: Weil Abstands- und Hygieneregeln die Ausbreitung der Pandemie wirksam eindämmen, bildet sich derzeit eine Virus-Mutation, die Menschen vermehrt zu Großdemonstrationen treibt. (#)

⊌ Erfundenes Faktum № 106: Eigentlich spekulieren die Ministerpräsidenten gerade nur deshalb über einen Lockdown vor Weihnachten, damit sich all diejenigen aufraffen, die ihre Geschenke sonst immer erst auf den letzten Drücker besorgen. (#)

💉 Erfundenes Faktum № 107: Laut Europäischem Parlament haben die Pharmafirmen nun bis 15. Februar Zeit, die zugesicherten Impfstoff-Mengen zu liefern (ggf. durch Sublizensierung). Andernfalls werden ihre Patente in Europa ungültig und die Impfstoffe zu öffentlichem Gut erklärt. (#)

∠ Erfundenes Faktum № 108: Wegen seiner schmutzlösenden Wirkung ist Nasenschleim ein besonders wirksames Reinigungmittel. (#)

🐼 Erfundenes Faktum № 109: Vom „Pandaphänomen“ profitieren Tierarten, die schon längst ausgestorben wären, würden wir Menschen sie nicht für besonders niedlich oder glückbringend halten. (#)

🔥 Erfundenes Faktum № 110: Weil auch fiktionale Geschichten „zu Spinnereien verführen“, stufen mehrere Länder seit kurzem Literatur als Gefahrgut ein […] (#)

Diese Twitterserie gibt es übrigens schon seit Dezember 2010. Als Blogeintrag gebündelt habe ich die Folgen 1–16, 17–28, 29–40, 41–50, 51–60, 61–70, 71–80, 81–90, 91–100 und 101–110.

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Der Fuchs hat Ideen!

„Unterhalte dich mit anderen Menschen“, so rät es in meiner Twitterserie der Fuchs der Ballerina. Denn im Gespräch mit anderen tun sich neue Blickwinkel auf, man beschäftigt sich mit anderen Themen und kommt dadurch vielleicht auf frische Ideen.

Ins Gespräch kommen, das ist auch die Grundidee meiner #Fuchs-Serie. Die Tweets sind kurze Dialoge (eigentlich nur die zweite Hälfte davon), in denen sich im besten Fall die Perspektive dreht und die Antwort noch einmal über die (nicht genannte) Frage nachdenken lässt.

Hier die letzten zehn Folgen:

◆ „Öffentliche Empörung scheint nicht konstruktiv“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Aber wenn du einen ungerechten Vorfall siehst und dazu schweigst, unterstützt auch du diese Ungerechtigkeit.“ (#)

💡 „Menschen sind nicht unbedingt wegen ihrer Klugheit berühmt“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Darum sind die Äußerungen einer bekannten Person nicht zwangsläufig schlauer als deine eigenen.“ (#)

➴ „Nimm dir so viel wie du brauchst“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Aber auf keinem Fall mehr.“ (#)

↯ „Sicher gibt es Leute, die dich hassen“, sprach der Fuchs zur Ballerina. „Aber nicht du bist die Ursache für den Hass, sondern die beschränkte Weltsicht dieser Leute.“ (#)

🌸 „Klar kannst du dich über Fehler ärgern“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Vergiss dabei aber nicht, welches großes Glück es ist, dass du deine Kunst derzeit überhaupt vor Publikum aufführen kannst.“ (#)

↯ „Das ist wie beim ‚Überbringer schlechter Nachrichten‘“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Sei nicht wütend auf diejenigen, welche die Einschränkungen beschließen, sondern lieber auf die, derentwegen sie notwendig sind.“ (#)

⏲ „Sei zumindest ehrlich zu dir selbst“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Wenn du sagst ‚Dafür habe ich keine Zeit‘, dann meinst du meistens ‚Das ist mir nicht wichtig genug‘ – und das ist völlig in Ordnung so.“ (#)

◕ „Es freut mich, dass dich dein neues Projekt so fesselt“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Aber bitte gib auf dich Acht: Mach Pausen, bemühe dich um Abwechslung und benutze das Projekt nicht, um wichtige Aufgaben zu ignorieren.“ (#)

⭑ „Natürlich können dich Online-Kommentare ermutigen“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Versuche dich bei deinen Veröffentlichungen aber nicht von diesem Feedback abhängig zu machen.“ (#)

⚗ „Wenn du neue Ideen suchst, dann ändere dein Umfeld“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Geh raus die Natur, unterhalte dich mit anderen Menschen, mach dir leise Musik an.“ […] (#)

Wer nun Lust auf weitere „ausgefuchste“ Perspektivwechsel hat, der kann gleich weiterlesen. Die anderen Blogeinträge zu dieser Twitterserie:

1. … sprach der #Fuchs zur Ballerina
2. Weisheiten für sensible Künstler
3. Ballerinas Selbstzweifel
4. Ein Fuchs für alle Fälle
5. Pirouetten und andere Probleme
6. Ausgefuchste Antworten
7. Vorgaben hinter sich lassen
8. Die Blöße der Unwissenheit
9. Nicht originell genug?
10. Kunst ohne Publikum

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Sonstiges

Warum „Charakterziffer“?

Das Wort kombiniert Persönlichkeit (Charakter) mit Sachlichem (Ziffer). Zusammengesetzt ergibt sich ein Synonym für Mediävalziffer, eine Zahlenvariante mit Ober- und Unterlängen.

Schriftarten dieses Blogs

Wenn dein Browser eingebettete Schriften (WOFF2) unterstützt, dann liest du die Fließtexte hier in der Source Sans Pro von Paul D. Hunt, erschienen 2012 bei Adobe.

Die Überschriften sind aus der czSlab gesetzt, die ich für dieses Blog gestaltet habe. Sie orientiert sich an Yanones viel ausgefeilterer Antithesis von 2014.


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Gerhard Großmann · Geibelplatz 10 · 93051 Regensburg
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Website zuletzt erstellt: 2021-06-23T09:07:22+02:00