@charak
terziffer

Manches braucht mehr als 140 Zeichen …

Auf dieser Website ist Platz für das, wofür mein Twitterprofil @charakterziffer nicht ausreicht. Mein Blog ist als Plus zu meinen Tweets gedacht, eben „@cz+“. // Die letzten drei Artikel:

Please, don’t like me!

Mit Facebook, Twitter & Co hat sich eine neue Form der Rückmeldung etabliert, nämlich das Liken. Wenn mir ein Beitrag gefällt, klicke ich auf ein kleines Herzchen oder vergebe ein Daumen-hoch. Auf sehr einfache Weise kann ich meine Zustimmung, Wertschätzung oder Bewunderung ausdrücken.

Likes sind mehrdeutig

Äh … Moment. Heißt ein Like jetzt, dass jemand den Beitrag inhaltlich gut findet? Oder dass derjenige zwar anderer Meinung ist, ihm aber die gelungene Beschreibung gefällt? Oder dass die Person einfach ihre Solidarität signalisieren will? Oder was? Ein Like ist ziemlich unbestimmt. Beispiel:

🦄 Unfassbar: Hier werden unschuldige Einhörner abgeschlachtet! #Fabeltiermörder

Ist jemand, der diesen Tweet liked, genauso empört wie die Verfasserin? Oder eher ein zufriedener Einhornhasser, dem die Ausrottung nicht schnell genug gehen kann?

Likes bringen niemanden weiter

Ein einfaches Like sagt nichts außer einem sehr wagen „Ich mag daran etwas“. Entsprechend empfinde ich den Klick aufs Herzchen als nahezu bedeutungslos. Ich schreibe schließlich nicht, damit es irgendwem gefällt, sondern weil ich eine Diskussion in Gang bringen möchte, Wissen verbreiten oder zum Nachdenken anregen will. Gerne kassiere ich sogar Widerspruch und gut begründete, andere Meinungen.

Ein Like ist höchstens ein wohlmeinendes Aha. Mir signalisiert es, dass dir zwar gefällt, was ich geschrieben habe, du dir aber nicht die Mühe machst, dich weiter damit auseinanderzusetzen. Und das ist genau das Gegenteil von dem, was ich erreichen möchte. Möglicherweise verhindert die Möglichkeit zum Liken sogar konstruktive Kommentare. Nach dem Motto: Einmal liken und abgehakt.

Dabei hätten Antworten nicht nur für mich, sondern für alle Leser:innen einen Mehrwert. Da Kommentare öffentlich unter meinem Text erscheinen, können sie neue Aspekte aufgreifen, mich korrigieren und ergänzen. Sie zeichnen womöglich ein vielschichtigeres Bild, als mein Ursprungstext es könnte. Und davon hat jeder mehr, als von einem inhaltsleeren Herzchenklick.

Likes erzeugen Druck

So inhaltsleer ist das Like aber nicht für alle. Influencer:innen auf Instagram, die mit ihren Postings auf der Fotoplattform Geld verdienen, zeigen einen Unternehmen durch die Menge an Likes, wie viel Verbreitung sie bieten können. Likes können in diesem Fall richtig Geld bedeuten.

Andere Nutzer:innen machen an der Anzahl Likes fest, wie wertvoll ihr Beitrag angeblich ist oder sogar, wie beliebt sie sich selbst fühlen. Gerade bei Jugendlichen scheinen Likes so viel Druck zu erzeugen, dass seit letztem Jahr Instagram testet, die Anzahl der Likes zu verbergen.

Ist es nicht tragisch, wenn (ausbleibende) Likes das Selbstwertgefühl mancher Nutzer:innen schwächen? Dabei hängen Popularität und Qualität doch nur indirekt zusammen – es kommen viele weitere Faktoren ins Spiel, ob ein Post viele Likes bekommt oder nicht (z. B. Sichtbarkeit durch Algorithmen oder Weiterverbreitung, Tageszeit, Konkurrenzthemen).

Likes fördern Oberflächlichkeit – und Hass

Zugegeben, die These in der vorigen Überschrift ist etwas steil. Aber wofür werden denn Likes vergeben? Ich behaupte, zum einen für oberflächlichen Flausch-Inhalte wie Katzenbilder, lustige Faultiere, niedliche Entenküken oder tapsige Pandabären. Und ehrlich gesagt finde ich das für solche Inhalte völlig in Ordnung, ein belangloses Like zu vergeben. Das stiftet ein wohliges Gemeinschaftsgefühl und tut keinem weh … Außer wenn es bewirkt, dass Autor:innen dann lieber Kuschel-Content veröffentlichen, weil sie für tiefgängige Essays oder kritische Reportagefotos weniger Herzchen erhalten.

Was ich ganz sicher nicht möchte ist, dass Autor:innen ihre Beiträge bis an den Rand der Verfälschung zuspitzen (oder darüber hinaus), weil auch provokante Inhalte mehr Likes generieren. Aus der Gemeinschaft der Likenden wird hier dann vielleicht eine vereinte Hassgruppe, deren Mitglieder sich gegenseitig hochschaukeln. Dann doch besser (streng moderierte) Kommentare, um auch ausgleichenden Stimmen Gewicht zu verleihen.

Likes steigern Verbreitung, aber nur zweitklassig

Auf vielen Plattformen begünstigen Likes die Sichtbarkeit eines Beitrags. Zum Beispiel mischt Twitter in die algorithmisch sortierte Timeline immer mal wieder ein „XY gefällt das“, gefolgt von einem Tweet, der ein Like bekommen hat. So erreichen „beherzte“ Tweets auch Nutzer:innen, die dem Verfasser oder der Verfasserin selbst gar nicht folgen.

Nur: Je nach Plattform gibt es deutlich bessere Möglichkeiten, einem Beitrag mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ein Retweet auf Twitter zum Beispiel sorgt garantiert für mehr Sichtbarkeit und ist für Tweet-Schreiber:innen weitaus nützlicher.

Likes als Beruhigungspille

Vielleicht ist ein Like auch weniger für Autor:innen gedacht, sondern für die Leser:innen. Wie oben schon erwähnt, kann man sich wie in einer großen Gemeinschaft fühlen, wenn man zu den schon angezeigten 3.628 Herzchen noch sein eigenes Like dazuklickt.

In einem Konzert zu sitzen, bei dem zwischen einzelnen Stücken/​Sätzen nicht geklatscht werden soll, ist ein komisches Gefühl. Vielleicht ist es vergleichbar, wie nach einen schönen Text weiterzusurfen, ohne zumindest eine scheinbare Anerkennung zu hinterlassen. So wie ein gemeinsamer Applaus eine gelungene Darbietung abschließt, könnte man einen schönen Text per Herzklick goutieren.

Wofür also Likes?

Ich fasse mal zusammen, wofür ich Likes geeignet halte:

Und daraus folgend die Bitte: Please don’t like me, bitte like mich nicht. Falls du es aber zur eigenen Beruhigung brauchst, darfst du gerne auf das Herzchen hier klicken. Technisch hat es jedoch keine Funktion – niemand erfährt, was du damit gemacht hast. Ich freue mich viel mehr über einen ermunternden, kritischen oder nachdenklichen Kommentar.

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Verblüffend einfaches Miniheft

Es gibt Dinge, die regen meine Kreativität an und ich komme gleich auf gute Ideen. Eines dieser Dinge ist das folgende Miniheft. Es lässt sich sehr leicht aus einem einzelnen Papierbogen herstellen. Die Anleitung gibt’s diesmal als kurzes Video:

Das einfache Heftchen lädt dazu ein, bekritzelt und beschrieben zu werden. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Tagebüchlein? Oder gemalten Glückwünschen für eine liebe Person? Die acht kleinen Seiten bieten viele Möglichkeiten:

Sehr praktisch: Wenn man sein Heftchen fertig gestaltet hat, kann man es wieder auffalten und das einzelne Blatt mit einem Kopierer vervielfältigen. So entstehen schnell mehrere Exemplare, die sich gut als Geschenk eignen.

Für diesen Blog-Artikel habe ich selbst zwei Minihefte geschrieben. Das erste gibt fünf Tipps für bessere Typografie, das zweite enthält gezeichnete Liebeserklärungen. Zum Nachbasteln unten die PDF-Datei herunterladen und die entsprechende Seite ausdrucken. Beim Falten bitte darauf achten, dass die Titelseite immer außen bleibt.

Druckvorlage herunterladen
(PDF-Datei, 2,2 MB)

Übrigens: Auf Englisch heißen gebastelte Heftchen auch zines [gesprochen: „siens“], eine Kurzform von magazines – sozusagen kleine, selbstgemachte Zeitschriften.

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Kunst ohne Publikum

Sind Künstler:innen eigentlich eitel? Wollen beklatscht und berühmt werden? Oder sind sie vielleicht aus tiefstem Herzen freundlich? Wollen beglücken, erstaunen, verzaubern?

Kann Kunst ohne Publikum existieren? Van Gogh malte, ohne dass sich jemand zu seinen Lebzeiten für seine Bilder interessierte. Kafka wollte sogar, dass seine Geschichten nach seinem Tod verbrannt werden.

Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verringern, sind Großveranstaltungen und Versammlungen abgesagt. Das betrifft gerade den Bereich der Kunst: Theater, Museen, Konzerte, Lesungen, … Klar, es gibt tolle Projekte online, zum Beispiel virtuelle Museumstouren, gestreamte Clubmusik, Video-Theater. Es vermittelt aber nur einen Teil des Erlebnisses, allein daheim vor seinem Monitor zu sitzen statt mit anderen gemeinsam mitzufiebern, zu lachen, andächtig zu lauschen, bewegt zu applaudieren.

Kunst existiert ohne (körperlich anwesendes) Publikum – aber nur eingeschränkt und wer weiß, wie lange. Denn auch Künstler:innen müssen essen und Miete zahlen, möchten verreisen und Klamotten kaufen. Eine Online-Vorstellung bringt Aufmerksamkeit, aber eher selten Einkünfte.

Und wie ist es andersherum: Kann das Publikum, können wir Menschen ohne Kunst existieren? Wer weiß, wie lange.

Was der #Fuchs dazu meint.

Sehr viele Fragen bisher, Zeit für ein paar Antworten. Die gibt hier der Fuchs aus meiner Twitterserie. Seine Ratschläge sind immer Entgegnungen auf Unsicherheiten der sensiblen Ballerina:

😶 „Selbst wenn du kaum Rückmeldungen bekommst, halte durch.“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Oft vernachlässigen es die Zuschauer, ihre Begeisterung auch mitzuteilen.“ (#)

⌖ „Ich weiß, auch mein Tag hat nur 24 Stunden“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Achte auf dich und dann konzentrier dich darauf, was wirklich erledigt werden muss.“ (#)

🔨 „Manchmal darfst du ruhig rücksichtslos sein“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Einigen Leuten muss man nämlich in den Arsch treten, um sie für eine gute Sache zu motivieren.“ (#)

🦊 „Doch, du sollst sogar beraten“, sprach die Ballerina zum #Fuchs. „Aber wenn dein Auftraggeber unbedingt die schlechte Idee umsetzen will, dann beiß die Zähne zusammen. Du weißt, dass du es besser könntest.“ (#)

⥀ „Ja, dir geht es gerade nicht gut“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Aber dreh dich nicht zu sehr um dich selbst, sonst verlierst du den Blick für das Schöne in deiner Umgebung.“ (#)

⽿ „Klar kannst du dich gleich rechtfertigen“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Besser aber, du hörst deinem Kritiker erst einmal zu. Wenn du die Anmerkung später unbrauchbar findest, kannst du sie immer noch verwerfen.“ (#)

𝌗 „Da hilft nur abwarten“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Es gibt einfach Tage, wo du mit nichts zufrieden bist und keine Motivation findest. Versuche es anzunehmen und gestatte dir ein wenig Ruhe.“ (#)

Ꞝ „Versuche nicht, alles auf einmal auszudrücken – das ergibt nur Banalität“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Konzentriere dich lieber auf das Besondere – auch wenn du dann einiges weglassen musst.“ (#)

꘏ „Schlag dem Regisseur nie etwas vor, das du nicht auch tanzen möchtest“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Sonst entscheidet er sich vielleicht genau dafür.“ (#)

⸺ „Es lag doch gar nicht an deiner Performance“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Es ist das Videostreaming, dass dich unzufrieden macht. Du und dein Publikum, ihr seid euch damit einfach nicht nah genug.“ […] (#)

Der Fuchs hat übrigens schon lange Jahre Erfahrung mit den Fragen der Ballerina. Die anderen Blogeinträge zu dieser Twitterserie:

1. … sprach der #Fuchs zur Ballerina
2. Weisheiten für sensible Künstler
3. Ballerinas Selbstzweifel
4. Ein Fuchs für alle Fälle
5. Pirouetten und andere Probleme
6. Ausgefuchste Antworten
7. Vorgaben hinter sich lassen
8. Die Blöße der Unwissenheit
9. Nicht originell genug?

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Sonstiges

Warum „Charakterziffer“?

Das Wort kombiniert Persönlichkeit (Charakter) mit Sachlichem (Ziffer). Zusammengesetzt ergibt sich ein Synonym für Mediävalziffer, eine Zahlenvariante mit Ober- und Unterlängen.

Schriftarten dieses Blogs

Wenn dein Browser eingebettete Schriften (WOFF2) unterstützt, dann liest du die Fließtexte hier in der Source Sans Pro von Paul D. Hunt, erschienen 2012 bei Adobe.

Die Überschriften sind aus der czSlab gesetzt, die ich für dieses Blog gestaltet habe. Sie orientiert sich an Yanones viel ausgefeilterer Antithesis von 2014.


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