@charak
terziffer

Manches braucht mehr als 140 Zeichen …

Auf dieser Website ist Platz für das, wofür mein Twitterprofil @charakterziffer nicht ausreicht. Mein Blog ist als Plus zu meinen Tweets gedacht, eben „@cz+“. // Die letzten drei Artikel:

Faltanleitung für eine Möwe

Möwen sind die Vögel, die ich am ehesten mit Urlaub verbinde. Sie erinnern mich an Strand und Meer, Sonnenschein und blauen Himmel. Vielleicht liegt es daran, dass ich in Bayern wohne und Möwen im Alltag nur selten zu Gesicht bekomme – wobei im Regensburger Hafen schon welche herumfliegen.

Hier eine Faltanleitung, nach der ihr euren eigene Origami-Möwe herstellen könnt.

1. Man benötigt ein quadratisches Papier, zum Beispiel mit einer Seitenlänge von 15 cm. Eine der Ecken auf die gegenüberliegende Ecke falten.

2. Jeweils die beiden kürzeren Seiten nach unten auf die lange Seite falten und wieder öffnen. Dann einmal mittig falten und wieder öffnen.

3. Die beiden kürzeren Seiten gleichzeitig nach unten falten, so dass in der Mitte ein Flügel entsteht.

4. Flachdrücken und den Flügel mehrmals hin und her falten.

5. Den Flügel öffnen und vorsichtig in einer Drachenform festdrücken.

6. & 7. Die Drachenform besteht aus zwei Lagen Papier, diese trennen. Beim unteren Drachen die drei Ecken zur Mitte falten. Das werden später die Schwanzfedern der Möwe.

8. Bei der oberen Drachenform zunächst (a) die kurzen Seiten auf die Mittellinie falten, feststreichen und wieder entfalten. Nun (b) die untere Ecke nach oben falten. Dabei öffnen sich die Seiten und legen sich entlang der vorgefalteten Linien nach innen.

9. Aus der Drachenform ist eine Raute geworden. Das wird der Kopf und vordere Rumpf der Möwe.

10. Ganze Form umdrehen. Nun an der gestrichelten Linie die obere Spitze auf die lange Kante unten falten. Die Raute aus Schritt 9 dabei nicht mitfalten! Damit die Faltung gut hält, kann man sie mit der runden Seite eines Teelöffels feststreichen.

11. Einen Teil der Spitze nach unten falten, einen kleineren Teil wieder nach oben falten. So entsteht der Schnabel (siehe Schritt 12).

12. Die gesamte Form einmal an der Mittelachse zusammenfalten (bei dickem Papier bitte vorsichtig, damit nichts reißt).

13. Jetzt noch gut die Hälfte der Flügel nach außen falten, so dass die typische Silhouette einer Möwe entsteht.

14. Wer möchte, kann die Flügelspitzen noch blau oder grau anmalen und dem Vogel einen orange-gelben Schnabel geben. Ein Faden, vorne und hinten um die Flügel gewickelt, ist eine praktische Aufhängung.

Die Anleitung zu diesem Origami-Modell habe ich übrigens in einem Blogartikel von Aline Vögeli gefunden. Weitere Origami-Figuren gibt es auch in meinem Blog: für einen Karpfen, eine Papierschachtel und einen Stier.

---
Artikel kommentieren …

Von oben herab

Mittlerweile sind Flugdrohnen verhältnismäßig günstig und leicht zu bedienen, so dass auch Hobbyfilmer damit Filmaufnahmen aus der Luft anfertigen können. Dabei entstehen ungewohnte Perspektiven und Ausblicke über den gewohnten Horizont hinaus.

Das Video von den Azoren stammt von Tom Vetterl und ich finde die Bilder wirklich beeindruckend – aber irgendetwas hat mich daran gestört. Nach einer Weile kam ich drauf: Die Perspektive von oben erschwert es mir, mich in die gefilmte Person hineinzuversetzen. Statt mit dem Protagonisten auf Augenhöhe die Landschaft zu erleben, schaue ich auf ihn herab. Ich bin nicht richtig dabei, sondern beobachte nur, wie jemand anderes die Wanderung erlebt. Der Blickwinkel macht Zuschauer:innen zu distanzierten Betrachter:innen.

Wie gesagt: Die Vogelperspektive hat einen hohen Schauwert und vieles lässt sich erst aus gewisser Höhe erkennen (die Struktur von Gischt, die Kronen einzelner Bäume, …). Falls ihr vom Drohnenfilmen begeistert seid, macht euch aber bitte Gedanken, ob das „Schweben über den Dingen“ dem entspricht, was ihr vermitteln/​erreichen möchtet. Die noch recht neue Drohnenperspektive allein reicht nicht aus für einen Film mit Tiefe. Falls es darum geht, euer Publikum in die Umgebung und das Erlebnis miteinzubeziehen, ist der Kamerablick von oben herab nicht die richtige.

Das Azoren-Video habe ich für diesen Blogpost übrigens deshalb ausgewählt, weil es sehr gut gefilmt ist und es die Perspektive von oben fast konsequent beibehält. In einem anderen Video beweist Tom Vetterl außerdem, dass er durch eine andere Kameraperspektive seine Zuschauer:innen sehr wohl mitnehmen kann – und sofort bin ich mitten im Geschehen dabei.

---
Artikel kommentieren …

Sommerlektüre: „Das Schiff des Theseus“

Derzeit bin ich recht oft in der Staatlichen Bibliothek in Regensburg. Dort liegt nämlich das Buch „Das Schiff des Theseus“ von V. M. Straka, in dem ich ein wenig lese – wobei eigentlich heißt das Buch „S.“ und ist von Doug Dorst und J. J. Abrams.

Verwirrt? – Nun, der experimentelle Roman gibt vor, das Leihexemplar eines 1949 erschienen Buchs zu sein, auf dessen vergilbte Seiten sich der Doktorand Eric und die Studentin Jen gegenseitig Notizen hinterlassen. Es werden also mehrere Geschichten gleichzeitig erzählt, die sich aufeinander beziehen. Darüberhinaus finden sich in dem Buch allerhand Beilagen, z. B. Zeitungsartikel, Postkarten oder Briefe. Aus diesem Grund ist das Exemplar der Staatlichen Bibliothek nur im Lesesaal zugänglich; so muss nicht nach jedem Ausleihen überprüft werden, ob noch alle Fotos, Notizzettel etc. zwischen den richtigen Seiten liegen.

Aufgeschlagenes Buch mit farbigen Notizen, zwischen vielen Seiten klemmen Beilagen
Der gedruckte Roman mit beigefügten Fußnoten, an den Rändern Notizen von Eric und Jen. Fürs Foto habe ich mal einen Teil (!) der Beilagen herausgefächert.

Worum geht’s?

Wie gesagt, erzählt der Roman mehrere Geschichten auf einmal. Die gedruckte Geschichte (angeblich von Straka) handelt von einem Mann namens S., der ohne Gedächtnis in einer Hafenstadt zu sich kommt. Im Verlauf der Handlung versucht er herauszufinden, wer er ist. Dabei wird er entführt, kommt auf einem Schiff zu sich, welches untergeht, so dass er sich ans Ufer mitten in einen Arbeiteraufstand rettet, usw.

Diese Geschichte hat (angeblich) F. X. Caldeira übersetzt und mit Fußnoten versehen, in denen verschlüsselte Warnungen an den Autor versteckt sind. Offensichtlich hatte V. M. Straka mächtige Feinde, so dass er aus gutem Grund seine Identität verschleiert hat. Caldeira hofft, über die Fußnoten mit dem Autoren kommunizieren zu können.

Die nächste Ebene sind die Notizen von Eric und Jen. Sie sind in zwei unterschiedlichen Handschriften im Seitenrand platziert und umfassen verschiedene zeitliche Phasen (lassen sich durch die Farben zuordnen). Die Notizen nehmen Bezug aufeinander und geben die Kommunikation wieder, die Eric und Jen über/​durch das Buch geführt haben. Ein bisschen hat mich das an die Wechsellektüre erinnert, bei der eine Freundin und ich Anmerkungen in „Ulysses“ hinterlassen haben.

Jen und Eric versuchen jedenfalls mehr über Straka herauszufinden und wer ihm warum auf den Fersen war. Sie halten ihre Erkenntnisse direkt im Buch fest und tauschen sich auch darüber aus, dass anscheinend jemand verhindern will, dass mehr über den Autor V. M. Straka bekannt wird.

Beide legen einander außerdem Gegenstände ins Buch, die mehr über ihre Handlungen erzählen, beispielsweise eine Reihe Postkarten, die Eric von einer Recherchereise aus Brasilien an Jen schickt. Das sind besagte Beilagen, die die Nachforschungen von Eric und Jen dokumentieren.

Als äußerste Ebene könnte man noch unsere Realität hinzufügen, in der Leser (wie ich) über das Buch berichten. Es gibt begleitende Blogs, Anleitungen, Artikel und Wikis, die sich mit den Codes, Meta-Ebenen und Motiven von S. bzw. Das Schiff des Theseus beschäftigen.

Lohnt es sich?

Noch habe ich diesen Roman noch nicht zu Ende gelesen, ich kann also nicht sagen, ob die Ursprungsstory zur wirren, banalen Odyssee wird und ob sich die Notizen zu sehr in eine schmachtende Liebesgeschichte oder einen unlogische Verschwörungskrimi verwandeln. Die verschlüsselten Hinweise in den Fußnoten zu enträtseln ist für mich nur mäßig reizvoll, dazu sind sie mir vom (eigentlichen) Autoren zu gewollt geheimnisvoll platziert.

Abgesehen davon, ob die Geschichten eine befriedigende Auflösung erhalten, gefällt mir das Konzept des kommentierten Buchs ziemlich gut. Ich mag, wie die unterschiedlichen Meta-Ebenen miteinander verknüpft sind und welche Rolle das ganz konkrete, materielle Buch spielt – obwohl die Leihbücherei-Stempel, die Vergilbung und natürlich alle Notizen nur aufgedruckt sind. Ob man einer Geschichte auch ohne diese äußeren Fake-Beigaben eine Meta-Ebene hinzufügen könnte?

Witzig finde ich jedenfalls, dass ich das Buch selbst als Leihexemplar in der Bibliothek lese und noch eine andere Leserin sich gerade damit beschäftigt (so wie Eric und Jen in der Geschichte). Ob ich der Mitleserin mal einen Notizzettel im Buch hinterlassen sollte?

Weil „S.“ in limitierter Auflage schon 2015 auf Deutsch erschienen ist, ist es im normalen Buchhandel nicht mehr erhältlich. Wer keine überteuerte Gebraucht-Ausgabe bei einem Online-Händler kaufen möchte, kann sich in einer nahe gelegenen Bücherei umsehen – selbst wenn er wegen der über 550 Seiten dann viel Zeit im Lesesaal verbringen dürfte. Ach ja: Der Titel „Schiff des Theseus“ bezieht sich auf ein philosophisches Paradoxon aus der Antike.

Und was lest ihr diesen Sommer? Habt ihr auch einen Tipp für ein eher ungewöhnliches Buch?

---
Artikel kommentieren …

Alle Artikel im Archiv lesen …

Sonstiges

Warum „Charakterziffer“?

Das Wort kombiniert Persönlichkeit (Charakter) mit Sachlichem (Ziffer). Zusammengesetzt ergibt sich ein Synonym für Mediävalziffer, eine Zahlenvariante mit Ober- und Unterlängen.

Schriftarten dieses Blogs

Wenn dein Browser eingebettete Schriften (WOFF/WOFF2) unterstützt, dann liest du die Fließtexte hier in der Source Sans Pro von Paul D. Hunt, erschienen 2012 bei Adobe.

Die Überschriften sind aus der czSlab gesetzt, die ich für dieses Blog gestaltet habe. Sie orientiert sich an Yanones viel ausgefeilterer Antithesis von 2014.


Impressum/Datenschutz

Anbieterkennzeichnung nach TMG §5:

Gerhard Großmann · Geibelplatz 10 · 93051 Regensburg
E-Mail: postfach2b [ät] web.de (PGP-Schlüssel), SMS: 0178/1961914

Rechtliche Hinweise

§ 1 Externe Links · Dieses Blog verlinkt auf Websites Dritter. Zum Zeitpunkt der erstmaligen Verlinkung waren dort keine Rechtsverstöße ersichtlich. Da ich keinen Einfluss auf fremde Websites habe, kann ich für deren Inhalte und Gestaltung keine Haftung übernehmen. Sollte ich von Rechtsverstößen erfahren, entferne ich die Verlinkung unverzüglich. Eine ständige Kontrolle der externen Links ist ohne konkrete Hinweise aber nicht zumutbar.

§ 2 Datenschutzerklärung · Mir ist der Schutz deiner Daten sehr wichtig. Deshalb verzichte ich auf Cookies, vermeide möglichst Dienste von Drittanbietern und erhebe so wenige Daten wie es geht. Diese Website kann ohne die Angabe persönlicher Daten genutzt werden.

Die einzige Ausnahme sind Kommentare. Wenn du einen meiner Texte kommentierst, bekomme ich die eingegebenen Daten und eine Zeitangabe per (prinzipiell unsicherer) E-Mail zugestellt. Falls dein Kommentar sachlich zur Diskussion beiträgt, ergänze ich ihn öffentlich sichtbar unter dem entsprechenden Artikel. Dabei sind sämtliche Angaben freiwillig (Name, Website, Mailadresse, Kommentar) – auch anonyme Kommentare sind möglich.

§ 3 Widerspruch gegen Direktwerbung · Die Verwendung meiner Kontaktdaten zur gewerblichen Werbung ist ausdrücklich nicht erwünscht; ich widerspreche hiermit jeder kommerziellen Nutzung und Weitergabe meiner Daten (gemäß § 21 DSGVO). // Über private Fanpost freue ich mich allerdings sehr und antworte darauf mit großem Vergnügen!

Website zuletzt erstellt: 2019-08-23T09:36:12+02:00