Troll dich!

In der vergangenen Woche habe ich bei Tatort+ mitgespielt, einem Online-Spiel zum TV-Tatort aus Stuttgart. Beim gemeinsamen Sammeln der Ermittlungsergebnisse im öffentlichen EtherPad[1] war auch ein Troll anwesend, der unsere Arbeit zu stören versucht hat. Ich fand das allerdings gar nicht schlimm, denn es hat mir großes Vergnügen bereitet, dem Troll den Spaß zu verderben. Im Nachfolgenden möchte ich meine Erfahrungen teilen.

Wie erkennt man Trolle?

  • Trolle stellen sich oft dumm, damit man ihnen etwas ausführlich erklärt. Auffällig: In anderen Zusammenhängen erscheinen sie dann gar nicht so unwissend.

  • Sie reagieren nicht auf begründete Kritik und ignorieren eine stichhaltige Argumentation.

  • Trolle nerven mit Kleinigkeiten. Sie bauen zum Beispiel Rechtschreibfehler in fremde Texte und provozieren mit unsinnigen Aussagen.

  • Wenn man sie damit konfrontiert, dass man sie für einen Troll hält, fordern sie unverzüglich Beweise.

  • Sie löschen Chats etc. sobald sie sich festgenagelt fühlen, anstatt sachlich zu diskutieren.

Wie geht man am besten mit Trollen um? Dazu muss man wissen, dass solche Nervensägen vor allem Aufmerksamkeit suchen. Sie wollen, dass man sich mit ihnen beschäftigt, sich zu Beschimpfungen hinreißen lässt und dass die Gruppe auseinander gebracht wird.

Meine Tipps

  • Sparsam kommunizieren, nicht auf alles reagieren und sich keinesfalls hochschaukeln lassen.

  • Den Troll ernst nehmen und ihm die Möglichkeit geben, mitzuarbeiten (vielleicht fügt er sich ja). Grundsätzlich aber sehr misstrauisch bleiben.

  • Dem Troll das Gefühl geben, dass seine Aktionen nicht sehr wirkungsvoll sind. Wenn er sich ausgetobt hat, können „wir“ alles sehr einfach wiederherstellen. (Das ist in einem EtherPad tatsächlich sehr leicht möglich)

  • Sich nicht vom Troll beschäftigen lassen. Immer hilfsbereit und höflich bleiben, aber keine große Mühe in Antworten stecken. Statt aufwendig zu recherchieren lieber schreiben: „Da kann ich nicht weiterhelfen“. Die Antwort kürzer halten als die Frage.

  • Den Troll möglichst isolieren und vom Arbeitsbereich wegbringen. Zum Beispiel, indem man mit ihm woanders diskutiert, warum man ihn für einen Troll hält (ein Lieblingsthema von Trollen). Dort kann man ihn dann auch wunderbar blamieren und den Dialog für andere veröffentlichen.

UPDATE: Im September 2013 hat gutefrage.net das Whitepaper KonTrolle in Social Media (PDF) herausgegeben. Darin klassifizieren die Autoren verschiedene Troll-Typen und schlagen Gegenstrategien vor.

Unser Troll hat dann irgendwann aufgegeben und ist weitergezogen. Letztlich hat er den Gruppenzusammenhalt eher gestärkt – was ganz bestimmt nicht seine Absicht war ☺.


[1] EtherPad: Ein über das Internet zugängliches Dokument, in dem jeder ohne Anmeldung schreiben kann. Man kann sich einen Namen geben und eine Farbe wählen, mit der die selbstverfassten Textteile hinterlegt werden. [↑]

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Rubrik(en):  #ansporn  #kritik  #methodik 

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