Nicht nur die Größe zählt

Wer einen Text gliedern möchte, macht das am besten mit Überschriften unterschiedlicher Klasse. Das ist bei wissenschaftlichen Aufsätzen so, genau wie auch in einem Wikipedia-Artikel. Gerade im Internet sind die verschiedenen Überschriftenklassen leider oft sehr langweilig gegeneinander abgestuft. Man orientiert sich an der Vorgabe des Browsers und differenziert die Überschriften einzig über eine unterschiedliche Größe.

Im Browser-Standard hat die höchste Überschriftenklasse H1 die doppelte Größe des Fließtextes, eine Überschrift vierter Klasse (H4) entspricht der Fließtextgröße. Die anderen Titel H2, H3, H5 und H6 sind entsprechend größer oder kleiner. Darüber hinaus sehen alle Überschriftenklassen aber identisch aus, nämlich … fett. Dabei gibt es gestalterisch viele Varianten, um Überschriften unterschiedlicher Klassen gegeneinander abzugrenzen. Ein Beispiel, wie man mit typografischen Mitteln eine Titel-Hierarchie konstruieren kann:

Titel für größte Abschnitte (H1)

Hier ein kleiner Absatz, damit nicht sofort ein Überschriftentyp auf einen anderen folgt. Das kann zwar stellenweise vorkommen, ist aber vermutlich eher die Ausnahme.

~ Kapitel-Überschriften (H2) ~

Auf alle Fälle lässt sich die Gestaltung der Überschriften leichter beurteilen, wenn dazwischen auch ein bisschen „Normaltext“ steht. Deshalb dieser Blindtext hier, der eher nebensächliche Informationen vermittelt.

Untergliederungen des Kapitels (H3)

Als Beschreibungen der Überschriften habe ich jetzt mal Begriffe aus Büchern gewählt, weil sie sehr anschaulich sind. Zwar gibt es auf Websites nicht unbedingt „Kapitel“, aber die unterschiedlichen Titel-Abstufungen lassen sich hier genauso anwenden.

Zwischentitel in Textgröße (H4)

Als Schriftart für diese Beispielüberschriften greife ich übrigens nicht auf die Bitter zurück, die ich sonst in meinem Blog verwende. Das hat den Grund, weil ich von jener Webschrift nur den Normalschnitt verlinkt habe und nur für dieses Beispiel nicht auch noch Fett und Kursiv nachladen möchte.

Kleine Überschrift für kurze Abschnitte (H5)

Stattdessen verwende ich für die Überschriften die Serifenschrift, die in deinem Browser als Standard festgelegt ist. Wenn du nichts geändert hast, ist das höchstwahrscheinlich Times oder Times New Roman.

Hineinlaufender Titel (H6) ·

Ehrlich gesagt muss ein Text schon sehr stark strukturiert sein, wenn man sechs Überschriften-Ebenen benötigt. In den meisten Fällen sollte man sich da eher Gedanken über seine Gliederung machen – typografisch sind so viele Unterscheidungen aber leicht machbar.

Die gestalterischen Möglichkeiten auszunutzen hat einige Vorteile gegenüber der Abstufung durch bloße Größenänderung. Man benötigt weniger extreme Schriftgrößen, d. h. die H1 kann kleiner ausfallen und die H6 muss nicht mikroskopisch werden. Durch ihre unterschiedliche Gestaltung grenzen sich die Überschriften erkennbarer gegeneinander ab, H3 und H4 sehen sich beispielsweise weniger ähnlich. Zudem kann die abwechslungsreichere Gestaltung helfen, einen recht gleichförmigen Text aufzulockern.

Noch eine Anmerkung zur Wikipedia: Die nutzt zwar einen Schriftwechsel zur Überschriften-Differenzierung (zwischen H2 und H3 ändert sich die Schrift von Linux Libertine bzw. Georgia zur generischen sans-serif), allerdings gibt es zwischen H4, H5 und H6 keine Größenunterschiede mehr. So kann man im Artikel über Wikipedia nicht erkennen, dass der Unterabschnitt „Markenbildung“ dem Abschnitt „Wissenschaftliche Untersuchungen“ untergeordnet ist.

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Rubrik(en):  #methodik  #typografie 

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