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RT – Gutes gerne weitergeben

Was Twitter erst richtig zu einem sozialen Netzwerk macht, ist wohl der Retweet. Eine Kurzmitteilung, die einem gut gefällt und/oder die man wichtig findet, kann man mit einem Klick an seine eigenen Follower weitergeben. Twitter bedient damit ein Urbedürfnis des Menschen, nämlich das mit anderen zu teilen, was einen bewegt oder was man erfahren hat.

Durch Retweets verbreiten sich Nachrichten schnell weit über den Kreis der ursprünglichen Leser hinaus. Gut daran ist, dass dadurch viele Twitternutzer interessante Informationen erhalten. Weniger gut am Prinzip des Retweets ist, dass auch bloße Werbung, Fehlinformationen und sogar Verleumdungen eine schnelle Verbreitung finden.

Zum Beispiel twitterte die @wissensbox Anfang des Monats:

Beim Rennen im Regen bekommt man mehr als doppelt so viel Wasser ab als beim Gehen. (#).

Diese Behauptung wurde von über 90 Leuten retweetet und schaffte es so in die deutschen Top-Tweets (@toptweets_de). Damit tauchte der Tweet dann bei über 24.000 Twitternutzern in der Timeline auf. Und er ist falsch. Das Magazin „Kopfball“ hat diese Frage nämlich schon vor fast einem Jahr geklärt: Wer im Regen rennt statt geht, wird nur halb so nass (abhängig auch vom Wind). Update 2017: Video unter https://www.wdr.de/tv/kopfball/sendungsbeitraege/2011/0227/nass-im-regen.jsp leider nicht mehr erreichbar.

In Richtung Verleumdung ging dann vorgestern schon @Cheatha mit:

#GEMA missbraucht Urheberrecht um ausgerechnet ein Anti #ACTA Video (ohne Musik!) zu zensieren: http://t.co/PugZtyfV« (#)

Das gilt natürlich auch für den verlinkten Blogeintrag. Bei @timpritlove war das zwei Stunden zuvor noch eine Vermutung gewesen. Auch @Cheatha hatte nicht mehr Informationen. Dennoch retweeteten über 70 Twitterer seine Behauptung ungeprüft, und die übrigens völlig unwahre Geschichte erreichte wiederum die Follower der deutschen Top-Tweets.

(Ja, ich weiß, die GEMA ist kein großer Sympathieträger; das ist aber kein Grund, Fakten zu erfinden. Nur weil YouTube in einer automatisierten Anzeige behauptet, die GEMA sei für die Sperrung eines Videos verantwortlich, stimmt das noch lange nicht.)

Also Vorsicht! Bevor man einen Tweet (oder Blogeintrag) weiterverbreitet, sollte man (1) mindestens dessen Wahrheitsgehalt überprüfen. Man sollte (2) nur das weitergeben, für das man auch selbst die Verantwortung übernehmen würde. Außerdem sollte man (3) native Retweets nutzen (die funktionieren wie ein Verweis auf den Ursprungstweet) oder den Urheber möglichst nennen. So würdigt man den Verfasser eines originellen Tweets und nennt gleichzeitig den Bösewicht hinter einer möglichen Lüge.

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Rubrik(en):  #kritik 

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