@charak
terziffer

Nützliche Kommentare

Seine eigenen Meinungen und Gedanken zu einem Text äußern zu können, das empfinde ich als eines der besten Dinge, die das Internet zu bieten hat. Es ermöglicht den Austausch zwischen ganz unterschiedlichen Teilnehmern, kann erhellen, Standpunkte verschieben und Verständnis fördern. Lehrreiche Kommentare sehe ich zum Beispiel im Fontblog unter dem Artikel „Braucht die Welt einen deutschen E-Book-Award?“ oder bei Hacker News über „How useful ist mapcode?“ (englisch).

Als Leser erhalte ich weitere Blickwinkel, komme über die Kommentarfunktion in direkten Kontakt mit dem Verfasser, kann fehlende Punkte ergänzen und auf Fehler aufmerksam machen. Als Autor erhalte ich eine schnelle Rückmeldung und lerne vielleicht selbst noch etwas. Ich finde deshalb, dass man die Hürden möglichst niedrig halten sollte, um einfaches Kommentieren zu ermöglichen. Dazu gehört für mich, auf eine Anmeldung zu verzichten und keine Klarnamen einzufordern.

Im Gegenzug sollten Kommentare aber stark „kuratiert“ werden: Was unsachlich oder beleidigend ist, fliegt raus oder wird gekürzt. Die genaue Grenze ist sicherlich nicht einfach zu ziehen, vor allem was Polemik oder Übertreibung angeht. Ein bissiger Schreibstil kann einer Diskussion nämlich wunderbar Pfeffer geben, sie aber genauso in einen Kommentarkrieg eskalieren lassen. Ich persönlich ziehe die Grenze dort, wo nicht mehr ein Argument, sondern die dahinterstehende Person angegriffen wird.

Wo besonders viele Leute mitkommentieren, wird es schwierig, eine Online-Diskussion „auf Kurs“ zu halten. Stefan Plöchinger von der Süddeutschen Zeitung schilderte in einem Blogartikel seine Erfahrungen und hat nach besseren Lösungen für den Dialog mit Lesern gesucht. Seit Anfang der Woche können Leser auf der Seite der Süddeutschen Zeitung nur noch ausgewählte Artikel kommentieren. Dadurch müssen die Redakteure weniger Kommentare im Auge behalten und können Diskussionen leichter auf eine sachliche Ebene zurückholen. Oder ist das ein Rückschritt in eine Zeit, wo Verlage kontrollieren, was veröffentlicht wird, ohne dass Leser korrigierend eingreifen könnten?

Das Problem mit zu vielen Kommentaren habe ich hier bei @cz+ ja „Gott sei Dank“ nicht. Nein, ernsthaft: Als Autor freue ich mich, wenn Leser meinem Artikel etwas hinzufügen. Es ist eine kleine Bestätigung, dass meine Inhalte relevant erscheinen und man sich damit auseinandersetzen mag.

Als kleine Anregung zum Kommentieren nenne ich hier mal ein paar Fragen: Was ist für eine gelungene Online-Diskussion notwendig? Braucht es feste Regeln? Kommentareinstufung durch Leser? Wo beginnt Zensur? Oder ist die Kommentarkultur in Zeiten von Facebook nicht mehr zu retten?

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Rubrik(en):  #ansporn  #kritik  #methodik 

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