Das Netz ergänzt die Zeitung

Das Rieplsche Gesetz besagt, dass kein Medium, das sich einmal bewährt hat, von einem anderen gänzlich ersetzt oder verdrängt wird. Radio, Fernsehen und Videotext waren bislang keine vernichtende Konkurrenz zur Zeitung. Doch das könnte auch daran liegen, das keines davon genügend Platz für relativ aktuelle, ausgewogene Textinformation geboten hat.

Mit dem Internet ist das etwas anderes: Hier lässt sich beliebig viel und beliebig aktuell veröffentlichen. Die Texte und Fotos können einfach durch Hörbeiträge und Videos ergänzt werden. Sogar Leserbriefe kommen in Form von Kommentaren schneller an.

Ist das Internet also die bessere Zeitung? Womöglich. Natürlich hat auch das Papiermedium einige Vorteile:

  • Es ist unempfindlicher gegenüber Verschmutzung, Zerstörung und Diebstahl – will heißen: mit geringerem Verlust verbunden als ein Tafelrechner.

  • Es ist unabhängig von Akkuladung und Netzabdeckung.

  • Noch immer ist das Lesen längerer Texte auf Papier bequemer als auf dem Bildschirm.

Letzteres könnte sich mit besserer Typografie und mehr Gewohnheit aber bald ändern. Schon jetzt sind die meisten Computer handlicher als ein Nordisches Format. Sollten Verleger ihr Papiermedium also besser aufgeben und sich mehr auf Geschäftsmodelle fürs Internet konzentrieren? Ich finde: nein. Aber sie sollten Ihren Blickwinkel ändern und vor allem aufhören, vollständige Artikel kostenlos ins Netz zu stellen.

Hauptaugenmerk sollte nicht sein, welchen Zusatznutzen das Internet bietet, sondern welchen Zusatznutzen die Papierzeitung bringt. Das Internet sollte dann nur als Ergänzung aufgefasst werden. Es erweitert die Zeitung um die Vorteile, die sie selbst nicht liefern kann. Folgende Ideen hätte ich:

  • Der Hauptartikel erscheint vollständig nur auf Papier

  • Der Artikel ist mit einer passenden Internetseite verknüpft (z. B. über QR-Code oder Schlagwort wie „Libyen-GDF“)

  • Auf dieser Internetseite steht zur Orientierung nur der kurze Anreißer. Dafür finden sich hier Änderungen und Ergänzungen sowie Leserkommentare

  • Verknüpfungen zu Hintergrundinformationen oder älteren Artikel zum Thema stehen am Ende eines Zeitungsartikels und sind als Dossier im Internet zusammengefasst (evtl. nur zugänglich mit Abo-Nummer, evtl. öffentlich als werbende Referenz)

  • Werbung wird nur in Kombination Internet/Zeitung verkauft und in beiden Medien unaufdringlich eingesetzt

Damit ist natürlich noch nicht die Frage geklärt, wie Zeitungen mit dem Internet Geld verdienen können – im Gegenteil: Wahrscheinlich kostet es sogar mehr, Begleitseiten zu den Artikeln zu pflegen als automatisiert neue Texte einzustellen. Aber Zeitungen behalten ihre Bedeutung ohne aufs Internet verzichten zu müssen. Wie praxistauglich meine Vorschläge sind, kann ich als Branchenfremder nicht einschätzen. Ich freue mich sehr über Kommentare dazu.

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Rubrik(en):  #kritik 

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