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terziffer

Von Kraftprotz und Herzstück

Alles beginnt meistens mit einem schönen Wort oder einer Beobachtung, die ich im Alltag aufschnappe. Nehmen wir mal den Begriff „verzehren“, den ich in einer Fernsehsendung gehört habe.

Als nächstes versuche ich dazu möglichst verrückt zu assoziieren. Zu „verzehren“ fällt mir Feuer ein, essen, sich mästen, bangen, Sehnsucht, aufbrauchen, köstlich, von etwas zehren, schlürfen, cremig, Festmahl, nicht zum Verzehr geeignet, … Daraus suche ich mir jetzt die gefühlvollsten oder poetischsten Gedanken aus und versuche, sie ungewohnt zu kombinieren. Zum Beispiel: Sich vor Sehnsucht mästen, ein Festmahl fürs Feuer, Sehnsucht schlürfen, nicht zum Aufbrauchen geeignet.

Nun sortiere ich erneut, versuche die Dinge unter einen Hut zu bekommen und damit möglichst eine Geschichte anzudeuten. Wie wäre es beispielsweise mit: „Ich öffne die Tür zu unserem Schlafzimmer und biete dem Feuer ein Festmahl. Von der Sehnsucht nach dir nippe ich nur noch gelegentlich.“?

Sprachlich zum Schluss noch ein wenig feilen, verdichten, dramatisieren und meistens kürzen. Die Minilyrik soll schließlich in einen Tweet passen: „Zuvor öffne ich die Schlafzimmertür: Ein Festessen fürs Feuer. Ich nippe von der Sehnsucht nach dir – in kühler Entfernung, ein letztes Mal.“

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Rubrik(en):  #methodik  #sujet 

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