@charak
terziffer

Manches braucht mehr als 140 Zeichen …

Auf dieser Website ist Platz für das, wofür mein Twitterprofil @charakterziffer nicht ausreicht. Mein Blog ist als Plus zu meinen Tweets gedacht, eben „@cz+“. // Die letzten drei Artikel:

Typosafari durch Regensburg

Anfang des Jahres veröffentlichte der Sender arte eine Dokureihe über Typografie im urbanen Raum. In dieser achtteiligen Typo-Safari präsentieren ortsansässige Schriftgestalter typografische Auffälligkeiten ihrer Städte. Ich fand die Serie sehr inspirierend und habe mir vorgenommen, für mein Blog eine Fototour durch meine Stadt Regensburg zu machen.

Eine typische Schrift?

Was bei arte so einfach aussieht, ist in Wahrheit ziemlich kompliziert: Gibt es ein ganz eigenes typografisches Phänomen für Regensburg? Eine so typische Art der Beschriftung, dass man daran die Stadt erkennen kann? Es ist ja nicht so wie bei Amman, Bath, Tilburg oder einigen anderen Städten, für die ganz eigene Schriften gestaltet wurden.

Bei der modernen Regensburger Beschilderung hat sich kein einheitliches Konzept durchgesetzt. Die kontrastarmen Wegweiser zu Sehenswürdigkeiten sind mit der Rotis Sans ein Kind ihrer Zeit, auf die Regeln in öffentlichen Parks weist Times New Roman hin (im Foto mit einem Aufkleber des bekanntesten heimischen Fußballvereins) und die Haltestellen des Busverkehrs sind seit ca. 2011 in der FF Transit beschriftet (vorher: Helvetica).

Die offiziellen Schriften der Stadtverwaltung sind Hermes FB (nur im Logo) und ThesisSans. Man findet sie zum Beispiel bei Schildern der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, auf Plakaten städtischer Veranstaltungen oder an Gebäuden von Ämtern (hier leider durch die Allerweltsschrift Arial ersetzt; ich glaube, das Corporate Design Manual erlaubt das im Ausnahmefall sogar, kann das Manual aber nirgendwo finden).

Tausendfach vorhanden

Ein wenig einheitlicher und deutlich präsenter sind die Hausnummernschilder. In Regensburg sind sie dunkelblau mit weißer Schrift (der Straßenname in Fraktur, Ziffern in Antiqua). Ein Pfeil zeigt an, in welche Richtung die Hausnummern aufsteigen. Außerdem stehen auf sehr vielen Schildern in der Altstadt noch die ursprünglichen Litera-Hausnummern.

Früher war die Regensburger Altstadt in acht sogenannte Wachten untergliedert, quasi Zuständigkeitsbereiche von Militär/Polizei. Jede Wacht wurde mit einem Großbuchstaben bezeichnet – von A für die Westnerwacht bis H für die Ostnerwacht, dazu kamen später J für den „Felddistrikt“ (= an die Altstadt grenzender, innerer Westen) und K für Kumpfmühl. Innerhalb einer Wacht waren die Häuser durchnummeriert. Die mittlere Hausnummer oben im Bild enthält übrigens einen „Übersetzungsfehler“: Offensichtlich war vom Vorgängerschild das Fraktur-A (siehe rechtes Schild) als U missverstanden worden.

Typen der Vergangenheit

Aber wie besonders sind solche Hausnummerntäfelchen wirklich? Gibt es die nicht genauso in mindestens fünfzig anderen Städten? Vielleicht sollte man lieber ein Stück weiter in die Vergangenheit reisen und findet dort einzigartige Schriftzeugnisse? Eine damals sehr bedeutende Inschrift definierte die alten Stadtmaße Fuß („statschuch“), Elle („statöln“) und Klafter, die für alle Bürger galten (Bild unten links). Die Maße stehen am alten Rathaus, wo sich auch der Reichstagssaal befindet, in dem zwischen 1663 und 1806 Sprichwörter entstanden sind wie „etwas am grünen/runden Tisch besprechen“ oder „etwas auf die lange Bank schieben“.

Ein regelmäßiges Phänomen in Regensburg sind auch die Donau-Hochwasser. Davon zeugen Wasserstandsmarkierungen an der Historischen Wurstkuchl (Bild unten mittig). Sie liegt am Donauufer neben dem Salzstadl, ganz in der Nähe der Steinernen Brücke. Bis 1146 war hier das Baubüro für die Steinerne Brücke, danach versorgte sie als Garküche unter anderem Steinmetze und Hafenarbeiter. Heute bekommt man dort Bratwürste auf Sauerkraut (natürlich mit süßem Senf) und Kartoffelsuppe.

Rund 300 Jahre alt sind viele Grabinschriften an der Klosterkirche St. Emmeram (Bild oben rechts). Die Kirche gehört zum Regensburger Schloss der Familie Thurn und Taxis, die das Postwesen in Europa aufgebaut hat. Sehr viel kann ich zu den Inschriften nicht erzählen, außer dass sie mir recht gut gefallen.

Schauwert: hoch

Wie interessant oder „sehenswert“ ein Schriftzug ist, kann schließlich auch ein gültiges Kriterium sein, nach dem man die Typografie einer Stadt auswählt. Die Meinungen düften hier zwar sehr auseinander gehen, denn objektiv ist diese Eigenschaft ja kaum … Wer allerdings immer nur mit objektivem Maßstab misst, übersieht vielleicht viele schöne, lustige, seltsame und kunstvolle Eigenheiten.

Oben links: Schusterladen (Weiße-Hahnen-Gasse); darunter: Übung eines Steinmetzlehrlings am Dom (ca. 1975); oben mittig: Buchstabenkugel des Metallbildhauers Peter Schwenk am Verlagsgebäude der Mittelbayerischen Zeitung; oben rechts: Ausschnitt aus dem Wappenschild an der Spitalbrauerei.
Links mittig: Kanaldeckel bei der Dombauhütte (sonst haben die Regensburger Kanaldeckel keine stadtspezifische Gestaltung); mittig: erhabene Hausanschrift in der Lindnergasse; links darunter: Ziffern am Walhalla-Bockerl (Lokomotive der ehemaligen Zugstrecke Regensburg–Walhalla).
Unten rechts: „Zum goldenen M“ am McDonald’s-Restaurants am Arnulfsplatz; unten mittig: Graffiti an einem Tor am Königshof; unten rechts: Stelen am Portal der Schottenkirche

Alles von Hand

Mit etwas Glück entdeckt man in der Stadt auch einige Arbeiten des Kalligrafen Johann Maierhofer, der sein Atelier in der Dänzergasse hat. Vor einigen Jahren hatte er beispielsweise viele Schaufenster in der Altstadt mit kurzen Versen beschriftet.

Ebenfalls handgemachte Schriftkunst findet man im sympathischen Laden Blinkfüer in der Oberen Bachgasse. Die Besitzerin Susanne Kauth arbeitet dort ganz ohne digitale Hilfsmittel und bedruckt im aufwendigen Handsatz verschiedene Materialien – größtenteils mit historischen Holz- und Bleilettern.

Und bei euch? Welche Schriften gibt es in eurem Wohnort zu entdecken? Wenn ihr die Augen offen haltet, findet ihr vielleicht eine schöne Ladenfassade, Gravuren in Mauern oder ungewöhnliche Beschilderungen. Ganz systematisch halten zum Beispiel die Betreiber des Blogs Berlin Typography ihre Entdeckungen fest.

Zum Herunterladen habe ich übrigens alle 24 verwendeten Bilder dieses Blogartikels in eine zip-Datei gepackt (unbearbeitet, in Originalgröße, rund 40 MB).

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Vorgaben hinter sich lassen

Ob im Tanz, Text oder Grafikdesign – wer Aufgaben von anderen kreativ bearbeitet, der kennt diesen einen Punkt. Irgendwann muss man aufhören, Informationen zu sammeln, zu recherchieren oder noch mehr Details zu erfragen. Dann heißt es selbst aktiv zu werden, offen für Ideen zu sein und zu versuchen, anhand der Vorgaben eine einfallsreiche Lösung zu finden – ohne ständig nachzuhaken, ob man immer noch richtig liegt.

Für meine Twitterserie Fuchs und Ballerina lauten die Vorgaben in etwa: Der Fuchs ist praktisch veranlagt und alltagsweise, die Ballerina oft unsicher aber sehr gefühlvoll. Jeder Tweet der Serie ist die Antwort des Fuchses. Die Frage der Ballerina entspringt aus deren Erfahrung, meist in einer ungewohnten Situation. Und das Ergebnis sollte möglichst keine Binsenweisheit sein. Hier nun die neusten Lösungen für diese selbstverordnete Aufgabenstellung:

⋑ „Überlege dir“, sprach der #Fuchs zur Ballerina, „ob es wirklich nötig ist, einen Weg zu gehen, der dir falsch erscheint.“ (#)

𐇛 „Wenigstens dabeigewesen zu sein“, sprach der #Fuchs zur Ballerina, „mag dich zwar jetzt nicht trösten, tut’s in einiger Zeit aber schon.“ (#)

𐇵 „Schlechte Laune ist ansteckend – gute aber auch“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Denke daran, wenn du mit anderen zusammenarbeitest.“ (#)

🙃 „Warte erst mal ab“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Was dir jetzt als Gemeinheit erscheint, könnte sich auch als Glücksfall entpuppen.“ (#)

𐇐 „In Wirklichkeit sind wir alle unsicher“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Es gelingt einigen nur, es besser zu verbergen.“ (#)

🞋 „Wenn dich jemand enttäuschend fand“, sprach der #Fuchs zur Ballerina, „wusste derjenige vielleicht auch einfach nicht, was er wollte.“ (#)

⧑ „Einen Plan B zu schmieden, bedeutet nicht zweifeln“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Es heißt nur, sich auf Misserfolge vorzubereiten.“ (#)

𐇲 „Riskier lieber manchmal, dich selbst zu belügen“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Besser als wirklich alles zweifelnd zu hinterfragen.“ (#)

⚙ „Er ist nicht unfreundlich“, sprach der #Fuchs zur Ballerina, „nur zurückhaltend und konzentriert. Gib ihm Zeit, dann klappt das schon.“ (#)

ᣫ „Frag nicht so viel“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Jetzt kommt es auf deine eigene Ideen an.“ […] (#)

Meine Twitterserie ist über sieben Jahre alt und entsprechend gibt es schon mehr als 80 Folgen. Alle Blogeinträge zu dieser Twitterserie:

  1. … sprach der #Fuchs zur Ballerina
  2. Weisheiten für sensible Künstler
  3. Ballerinas Selbstzweifel
  4. Ein Fuchs für alle Fälle
  5. Pirouetten und andere Probleme
  6. Ausgefuchste Antworten
  7. Vorgaben hinter sich lassen

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@cz+ grafisch überarbeitet

Gut drei Jahre ist es her, dass mein kleines Blog hier ein neues Gewand bekommen hat. Und so langsam hatte ich mich daran satt gesehen: Zu dominanter Hintergrund, zu gewöhnliche Schriftmischung, irgendwie zu beengt. Gründe genug für eine Überarbeitung. Im Gegensatz zur letzten Umgestaltung hat sich technisch nicht viel verändert. Diesmal habe ich den Schwerpunkt auf die optische Erscheinung gelegt.

Das vorige Design ist mir mit der Zeit zu eng geworden. Mir gefällt der grüne Hintergrund noch immer sehr gut, zumal größere, farbkräftige Flächen im Internet eher ungewöhnlich sind. Zunehmend hatte ich aber den Eindruck, die grüne Fläche ist so stark, dass sie den Inhalt nicht nur rahmt, sondern regelrecht einsperrt und klein hält.

mein Blog bis März 2017

Raum für Texte

Ich wollte dem Text mehr Platz verschaffen. Deshalb habe ich als erstes die Schrift von 1 em (16px/12pt) auf 1,1 em (17,6px/13,2pt) vergrößert, so lässt es sich auch bequemer lesen. Folglich ergaben sich eine breitere Textspalte und ein größerer Zeilenabstand.

Ob ich die graue Randspalte erhalten soll, darüber war ich mir lange Zeit unschlüssig. Sie stört, wenn ich ein eher minimales Design haben möchte, das sich auf den eigentlichen Text fokussiert. Andererseits gefällt mir der einladende Kurztext und er dient auch der Navigation ins Archiv oder zum RSS-Feed. Also habe ich ihn als durchscheinenden Kasten auf die rechte Seite gesetzt. Wird das Browserfenster schmaler, verschwindet der Kasten nach unten und stattdessen erscheint rechts oben ein reduziertes Menü zu den wichtigsten Bereichen meines Blogs.

Eigenständiges Design

Wenn man Gestaltungselemente reduziert oder abschwächt, besteht leicht die Gefahr, dass sich eine Website grafisch wenig von anderen unterscheidet und im Einheitsbrei untergeht. Ich wollte die charakteristischen Merkmale zwar zurückhaltend einsetzen, sie im Gegenzug aber möglichst einzigartig gestalten. Neben meinem Logo oben links lasse ich deshalb die Farbe Grün als Streifen am rechten Rand wieder auftauchen. Ja, ich weiß, Triangle Patterns liegen jetzt schon seit über drei Jahren im Trend und werden ihren Zenit sicher bald überschritten haben. Trotzdem: Ich fand es einfach zu reizvoll, mir wie im vorigen Design ein kristallines Muster zu basteln. Die Besonderheit diesmal: Es besteht nicht aus einer Bilddatei, sondern wurde per CSS aus vier Farbverläufen zusammengesetzt.

Vergleich von Überschriften und Randspalte

Weitaus einmaliger ist die Schriftart, die ich nun für Überschriften und Links verwende. Ich wollte mich ja schon länger von der Bitter verabschieden, auch weil sie in Kombination mit meiner Textschrift Source Sans Pro dank eines populären WordPress-Themes recht verbreitet ist. Um mich von anderen Websites abzugrenzen, verwende ich nun die cz Slab, die ich selbst extra für dieses Blog gestaltet habe. Sie ist stark von Yanones genialer Antithesis inspiriert, ist dabei aber etwas schmaler, fetter, angepasster und hat eine geringere x-Höhe.

Vom neuen Design erhoffe ich mir, dass es großzügiger, offener und leichter wirkt als sein Vorgänger. Wem die jetzige Schrift übrigens zu groß sein sollte, der kann die Zoom-Funktion seines Browsers nutzen und den Text mit der Tastenkombination Strg + - verkleinern (zurücksetzen dann mit Strg + 0).

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2 Kommentare

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Sonstiges

Warum „Charakterziffer“?

Das Wort kombiniert Persönlichkeit (Charakter) mit Sachlichem (Ziffer). Zusammengesetzt ergibt sich ein Synonym für Mediävalziffer, eine Zahlenvariante mit Ober- und Unterlängen.

Schriftarten dieses Blogs

Wenn dein Browser eingebettete Schriften (WOFF/WOFF2) unterstützt, dann liest du die Fließtexte hier in der Source Sans Pro von Paul D. Hunt, erschienen 2012 bei Adobe.

Die Überschriften sind aus der czSlab gesetzt, die ich für dieses Blog gestaltet habe. Sie orientiert sich an Yanones viel ausgefeilterer Antithesis von 2014.


Impressum

Anbieterkennzeichnung nach TMG §5:

Gerhard Großmann · Geibelplatz 10 · 93051 Regensburg
E-Mail: postfach2b [ät] web.​de, SMS: 0178/1961914

Rechtliche Hinweise

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Website zuletzt erstellt: 2017-06-22T16:12:33+02:00