@charak
terziffer

Manches braucht mehr als 140 Zeichen …

Auf dieser Website ist Platz für das, wofür mein Twitterprofil @charakterziffer nicht ausreicht. Mein Blog ist als Plus zu meinen Tweets gedacht, eben „@cz+“. // Die letzten drei Artikel:

Kontext für Fakes

Zum Glück eher selten landen in meiner Twitter-Timeline Meldungen, die mehr als unglaublich wirken. Zum Beispiel dass beim Staatsbesuch in Saudiarabien Angela Merkels unbedeckte Haare im Fernsehen verpixelt wurden. Oder von einem “Escherian Stairwell”, einem Treppenhaus bei dem man wie in M. C. Eschers Zeichnungen immer wieder im gleichen Stockwerk ankommt. – Und natürlich sind das Fakes. Wenn etwas unglaublich erscheint, ist es oftmals auch nicht wahr.

Ich schau immer nach, wer diese Meldung in meinen Twitter-Feed retweetet hat – denn es sind grundsätzlich Retweets, niemals ein Originaltweet von jemandem, dem ich folge. Und dann frage ich mich, warum derjenige diese Meldung für so wichtig hielt, dass er sie an alle seine Follower weitergeleitet hat. Weiß der Retweeter, dass er auf einen Fake reinfällt?

Auf Rückfrage gelöscht

Oft schreibe ich denjenigen dann an, frage nach und schicke einen Link zur Richtigstellung mit (die es in der Regel auch schon längst gibt). Und sehr schnell verschwindet der Retweet wieder. Falls nicht und es kommt öfter vor, entfolge ich demjenigen.

Stellen wir uns mal vor, das würde jeder so machen … Plötzlich hätten Fake News keine Chance mehr, irgendwen zu erreichen. Klingt nach Utopie? Nun ja, jeder einzelne kann mitmachen. Klingt nach Spielverderber? Vielleicht. Wobei ich sagen muss, dass ich nichts gegen Fakes habe, die einfach nur lustig sind. Die kann man dann aber einfach direkt kennzeichnen. Eine nachträgliche Richtigstellung erreicht in der Regel viel weniger Leser als die vorangegangene Behauptung. Wer Fakes nur verbreitet, um Leute zu manipulieren, sie aufzuwiegeln oder zu entzweien, hat keine Aufmerksamkeit verdient. Selbst wenn seine Falschmeldung lustig ist.

Meine letzten Fakenews

In einer Twitterserie erspinne ich regelmäßig Fakes. Sie bekommen aber von vornherein den entsprechenden Kontext – durch das „Erfundenes Faktum“. Die zehn letzten Tweets dieser Serie:

▩ Erfundenes Faktum № 71: Wegen des beginnenden Pollenflugs säubern sich Tiere wieder vermehrt das Fell. Daher der Begriff „Frühjahrsputz“. (#)

🥚 Erfundenes Faktum № 72: Laut einer tschetschenischen Studie sind rosagefärbte Ostereier bei Jungs am beliebtesten. (#)

𐇧 Erfundenes Faktum № 73: Die Maya-Kultur kollabierte aufgrund gesellschaftlicher Unruhen, kurz nachdem dort soziale Medien erfunden wurden. (#)

➿ Erfundenes Faktum № 74: Reibt man seine EC-Karte länger am Kopfhaar, wird bei der nächsten Überweisung nichts vom eigenen Konto abgebucht. (#)

₿ Erfundenes Faktum № 75: Für Alltagszwecke wird zum 15.7. der „Bitsy“ als ⅟₁₀₀ Bitcoin eingeführt. 1 Bitsy liegt aktuell bei rund 20,40 €. (#)

🍨 Erfundenes Faktum № 76: Der Verzehr von Speiseeis erhöht die Attraktivität gegenüber der Vespula vulgaris und der V. germanica. (#)

⤵ Erfundenes Faktum № 77: Das Sprichwort „Alles Gute kommt von oben“ stammt noch aus der Zeit, als sich Küchen im Obergeschoss befanden. (#)

ꤟ Erfundenes Faktum № 78: Wegen des Horror vacui wächst in fast leeren Zahnpasta-Tuben über Nacht eine geringe Menge Zahnpasta nach. (#)

≮ Erfundenes Faktum № 79: Fast alle Hochkulturen sind bisher untergegangen, weil zwei Männer glaubten, den Stärkeren markieren zu müssen. (#)

∬ Erfundenes Faktum № 80: Neue Grenzen für Fakenews – Seit 1. Januar dürfen sie nur noch zwei Verschwörungstheorien gleichzeitig beinhalten. (#)

In einem früheren Blogbeitrag habe ich mich schon einmal damit beschäftigt, wann man etwas retweetet und wann man es besser sein lässt. Diese Twitterserie gibt es übrigens schon seit Dezember 2010. Als Blogeintrag gebündelt habe ich die Folgen 1–16, 17–28, 29–40, 41–50, 51–60, 61–70 und 71–80.

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Unbekannte Lebensmittel (Vorsatz 2017)

Nein, ich habe keinen Surströmming versucht (den stinkenden, schwedischen Dosenhering) und auch bei Innereien habe ich mich zurückgehalten. Schließlich ging es bei meinem guten Vorsatz 2017 nicht darum, mich zu besonders ekligen Esswaren zu überwinden. Fürs vergangene Jahr hatte mir vorgenommen, jede Woche ein mir unbekanntes Lebensmittel zu probieren. Dabei wollte ich „meinen Geschmack herausfordern, bewusster essen und vielfältiger einkaufen“, schrieb ich vor einem Jahr.

Das hat ziemlich gut geklappt. Ich habe tatsächlich 52 Lebensmittel gefunden und war unter anderem zum ersten Mal in einem arabischen und chinesischen Supermarkt einkaufen. Wie bei allen Vorsätzen hat die Umsetzung nicht zu 100 % geklappt und ich war gelegentlich eine Woche zu spät oder zu früh dran, aber was soll’s?

Zum Jahresende möchte ich in einer kleinen Übersicht sammeln, was ich 2017 kulinarisch kennen gelernt haben. Es waren Dinge darunter, von denen ich nicht wusste, dass man sie essen kann (Lotusknollen) oder dass sie überhaupt existieren (Moltebeeren).

  1. Sweetie
  2. Spitzkohl
  3. Weißdornbeeren
  4. Lokum
  5. Wildschwein-Wurst
  6. Shiitake-Pilze
  7. Skyr
  8. Birkensaft
  9. Kiwibeeren
  10. Maniok
  11. Kartoffel-Tortilla
  12. Turrón
  13. Kaktusfeige
  14. Tintenfisch
  15. Lupinen-Aufstrich
  16. Schlangenfrucht
  17. Baranki
  18. Aprikosenkerne

Eine Frage der Definition

Schon bald nach meinem Beschluss habe ich gemerkt, das mein Vorsatz viel Spielraum lässt und ich ihn nicht ausreichend durchdacht habe. Denn was gilt eigentlich als unbekanntes Lebensmittel? Dürfen es nur Dinge sein, von denen ich noch nie gehört hatte (schließt Pfifferlinge aus)? Wie sieht es mit verwandten Sorten aus (Viola als Aubergine, Spitzkohl als Kohl)? Und sollte ich verarbeitete Nahrungsmittel von meinem Vorsatz ausschließen (Lokum, Hanfdessert und Reneklodenmarmelade)?

Letztlich habe ich die Begrenzung eher locker genommen, es ging schließlich darum, etwas zu probieren und keine wissenschaftliche Feldforschung zu betreiben. Bei verarbeiteten Lebensmitteln war mir aber wichtig, dass sie ausreichend typisch sind. Es zählte also nicht, einfach 20 verschiedene Teekekse zu probieren; wohl aber japanische Mochi, türkisches Lokum und spanische Yemas de Santa Teresa (quasi Gattungen, die es von unterschiedlichen Herstellern oft in verschiedenen Varianten gibt).

  1. Löwenzahn
  2. Wodka mit Feige
  3. Wasserkefir
  4. Halva
  5. Yemas de Santa Teresa
  6. Viola
  7. Halloumi
  8. Roquefort
  9. Renekloden
  10. Aloe-Vera-Saft
  11. Szechuanpfeffer
  12. Stachelgurke
  13. Arare
  14. Navette
  15. Aroniabeeren
  16. Mangostan
  17. Gebrannte Kürbiskerne
  18. Palmenherzen

Geschmackvolle Höhepunkte

Einige Lebensmittel sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Die leckerste Frucht war meiner Meinung nach die Kaktusfeige, die ich unbedingt wieder mal probieren muss. Vom Aussehen her sind wohl die Pitahaya (pink geflammte Schale, Geschmack etwas batzig) und die Lotusknolle (mit symmetrischen Löchern, erinnerte mich an eine feste Gurke) die Gewinner dieses Jahres.

Die Kartoffel-Tortilla habe ich mit zwei Freunden gekocht, das typisch spanische Gericht war sehr herzhaft. Besonders vielseitig fand ich Topinambur, das roh wie Kokos schmeckt, gekocht wie Süßkartoffeln und gebraten ein bisschen nach Karotte.

Sehr enttäuscht hat mich der Lupinen-Brotaufstrich. Er schmeckte leicht bitter und bestand im Grunde genommen vor allem aus Kokosfett. Das mehlige Halva (russisch) war mir ein bisschen zu heftig, recht süß und ganz schön gehaltvoll. Es hat mich ans spanische Turrón erinnert, welches aber statt nach Sonnenblumenkernen nach Mandeln geschmeckt hat.

Den Szechuanpfeffer habe ich von einem sehr freundlichen Mitarbeiter aus dem Botanischen Garten probieren dürfen. Die kleinen Körner prickeln im Mund und betäuben die Zungenspitze für eine Weile. Die Schlangenfrucht (Salak) hat mir mein Nachbar aus seinem Urlaub auf Bali mitgebracht, trocken erdbeerig süß. Und was ich von Roquefort halten soll, weiß ich nicht genau. Der Käse ist so ein Zwischending von salzig, scharf, würzig und ein bisschen eklig – vermutlich würde ich ihn aber wieder probieren.

  1. Lotuswurzel
  2. Kombucha
  3. Mochi
  4. Pfifferlinge
  5. Jackfrucht
  6. Berberitzen
  7. Topinambur
  8. Hanfdessert
  9. Okraschoten
  10. Kiwano
  11. Cherimoya
  12. Pitahaya
  13. Hibiskusblüten (kandiert)
  14. Moltebeeren
  15. Litschi
  16. Maulbeeren

Übers Essen nachdenken

Auf der Suche nach unbekannten Lebensmitteln war ich 2017 oft mit einem ganz anderen Blick einkaufen. Ich ging oft ohne richtigen Plan durch einen Laden, um etwas zu finden, von dem ich noch gar nicht wusste, dass ich es gesucht hatte. Ich hab in russischen, chinesischen und arabischen Geschäften die Etiketten studiert, komisches Obst beschnuppert und Verkäufern ratlos Fragen gestellt. Ein paar Mal habe ich nach dem Einkauf gar nicht gewusst, was genau ich da jetzt mit nach Hause nehme (Okra? Sind das irgendwelche Blüten? Wie isst man eigentlich Maniok?). Und zwischendurch kam die Frage auf, wie ökologisch es eigentlich ist, exotische Dinge zu essen. Und ob es nicht viel mehr heimische Lebensmittel gäbe, die im Handel einfach kaum Beachtung finden? Es ist jedenfalls ein ziemlicher Wahnsinn, auf welche Esswaren aus aller Welt wir heutzutage Zugriff haben.

Was ich mir für 2018 vornehme, weiß ich übrigens noch nicht genau. Vielleicht, jeden Tag ein bisschen an einem Schriftentwurf zu arbeiten, damit die Schrift in einem Jahr fertiggestellt ist.

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Kleiner Wandkalender für 2018

Zugegeben, es erfordert Übung und braucht eine gewisse Gewohnheit, bis man bei meinem Kalenderdesign erkennt, welcher Tag nun ein Dienstag und welcher ein Samstag ist. Dafür vereint mein Halbmonatskalender (HMK) andere Vorteile, die ich noch bei keiner anderen Gestaltung gefunden habe:

Bei mir sind Ziffern und Monatsnamen dieses Jahr in Gandhi Serif gesetzt, die ich auch in meinem Artikel über Serifenschriften vorstelle. Das grundsätzliche Design wurde seit 2012 nur behutsam angepasst.

Details meines Halbmonatskalenders 2018

Nach dem Herunterladen das PDF auf zwölf A4-Seiten ausdrucken, auf Wunsch jedes Blatt halbieren, sortieren und die Einzelblätter zusammenheften. Ich nutze dafür eine praktische Vielzweckklammer („Foldback-Klammer“). Alternativ im Copy-Shop mit einer Spirale binden lassen – mit einer gebogenen Büroklammer als Aufhängung –, die Blätter an der oberen Kante leicht zusammenleimen oder einfach jede Seite mittig lochen und alles an einen Nagel hängen.

Kalender herunterladen
(PDF-Datei, 220 kB)

Übrigens freue ich mich sehr, wenn mein mein Halbmonatskalender empfohlen und weiterverbreitet wird. Zu diesem Zweck steht er unter einer Creative-Commons-Lizenz mit Namensnennung, nicht kommerzieller Nutzung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen (CC BY-NC-SA). Falls jemand den Kalender bearbeiten möchte (zum Beispiel die optionalen Feiertage aufs eigene Bundesland anpassen), verschicke ich gerne die SVG-Dateien. Bitte mich einfach kurz anschreiben oder kommentieren.

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Sonstiges

Warum „Charakterziffer“?

Das Wort kombiniert Persönlichkeit (Charakter) mit Sachlichem (Ziffer). Zusammengesetzt ergibt sich ein Synonym für Mediävalziffer, eine Zahlenvariante mit Ober- und Unterlängen.

Schriftarten dieses Blogs

Wenn dein Browser eingebettete Schriften (WOFF/WOFF2) unterstützt, dann liest du die Fließtexte hier in der Source Sans Pro von Paul D. Hunt, erschienen 2012 bei Adobe.

Die Überschriften sind aus der czSlab gesetzt, die ich für dieses Blog gestaltet habe. Sie orientiert sich an Yanones viel ausgefeilterer Antithesis von 2014.


Impressum

Anbieterkennzeichnung nach TMG §5:

Gerhard Großmann · Geibelplatz 10 · 93051 Regensburg
E-Mail: postfach2b [ät] web.​de, SMS: 0178/1961914

Rechtliche Hinweise

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Website zuletzt erstellt: 2018-01-18T23:54:34+01:00