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Manches braucht mehr als 140 Zeichen …

Auf dieser Website ist Platz für das, wofür mein Twitterprofil @charakterziffer nicht ausreicht. Mein Blog ist als Plus zu meinen Tweets gedacht, eben „@cz+“. // Die letzten drei Artikel:

Ein gefalteter Stier

Origami-Figuren sind meistens kantig und abstrakt, dabei dennoch gut zu erkennen. Das fasziniert mich am Papierfalten, diese Reduktion auf das Wesentliche. Im folgenden zeige ich eine Anleitung für einen eher einfachen Stier (mit fortgeschrittener Gegenbruchfalte). Auf meiner Quelle für dieses Modell wird als Autor George Rohads genannt.

Übrigens: Wem die ersten vier Schritte hier zu schnell gehen, sollte sich meine vorherige Faltanleitung für einen Karpfen ansehen. Dort führen die Schritte 1 bis 7 auf einem anderen Weg zum gleichen Ergebnis. Und falls es selbst nach mehreren Versuchen nicht klappt mit dem Stier, dann ist eine schöne Papierschachtel bestimmt ein guter Trost. Los geht’s:

1. Man benötigt ein quadratisches Papier, zum Beispiel mit einer Seitenlänge von 15 cm. Die Diagonalen vorfalten. Dann zwei benachbarte Kanten zur entsprechenden Diagonalen falten, damit die Drachenform in Schritt 2 entsteht.

2. Wieder auffalten.

3. Auch die beiden anderen Kanten zur Diagonale falten und wieder entfalten.

4. Nun alle vier Papierkanten an den eben entstandenen Faltlinien zur Diagonale bringen. Die entstehenden Zacken flach zusammenfalten und nach unten legen, so dass die Form wie in Schritt 5 entsteht.

5. Die Form in der Mitte entlang der Diagonale falten, dabei den unteren Teil nach hinten umschlagen, damit die beiden Zacken außen bleiben.

6. Die äußeren Spitzen mit einer Gegenbruchfalte nach oben bringen. Dazu an den gekennzeichneten Linien zunächst gut vorfalten (siehe 6b) und wieder entfalten. Dann die Spitzen oben öffnen und die mittlere Kante umkehren und nach innen holen. Das Ergebnis für die linke Spitze ist im Schritt 6c zu sehen. Mit der rechten Spitze ebenso verfahren.

7. Die rechte Spitze mit einer Gegenbruchfalte wieder nach unten holen. Dabei an der gestrichelten Linie im Bild orientieren, das Ergebnis ist im nächsten Bild zu sehen.
Außerdem die großen Zacken in der Mitte der Figur nach unten falten (jeweils auf Vorder- und Rückseite der Figur).

8. Auch die linke Spitze wieder mit einer Gegenbruchfalte nach unten bringen.

9. Und schon wieder eine Gegenbruchfalte: Die linke Spitze erneut nach oben bringen, so dass ein schöner Stierkopf mit Horn entsteht.

10. Den Kopf an der gestrichelten Linie öffnen (also obere Papierschicht nach oben umfalten, untere nach unten). Das Horn des Stiers dabei nach vorne falten. Es ergibt sich der Nasenrücken, wie bei Schritt 11 zu sehen.

11. & 12. Schließlich die kleine Ecke unterhalb des Horns ein wenig herausfalten, so dass ein Ohr entsteht. Auf der Rückseite wiederholen.

Ich hoffe, euer „Stierkampf“ führt zu einem guten Ergebnis. Wenn am Ende etwas Erfreuliches herauskommt, kann Origami auch eine sehr entspannende, meditative Tätigkeit sein. Viel Vergnügen beim Nachfalten!

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Typosafari durch Regensburg

Anfang des Jahres veröffentlichte der Sender arte eine Dokureihe über Typografie im urbanen Raum. In dieser achtteiligen Typo-Safari präsentieren ortsansässige Schriftgestalter typografische Auffälligkeiten ihrer Städte. Ich fand die Serie sehr inspirierend und habe mir vorgenommen, für mein Blog eine Fototour durch meine Stadt Regensburg zu machen.

Eine typische Schrift?

Was bei arte so einfach aussieht, ist in Wahrheit ziemlich kompliziert: Gibt es ein ganz eigenes typografisches Phänomen für Regensburg? Eine so typische Art der Beschriftung, dass man daran die Stadt erkennen kann? Es ist ja nicht so wie bei Amman, Bath, Tilburg oder einigen anderen Städten, für die ganz eigene Schriften gestaltet wurden.

Bei der modernen Regensburger Beschilderung hat sich kein einheitliches Konzept durchgesetzt. Die kontrastarmen Wegweiser zu Sehenswürdigkeiten sind mit der Rotis Sans ein Kind ihrer Zeit, auf die Regeln in öffentlichen Parks weist Times New Roman hin (im Foto mit einem Aufkleber des bekanntesten heimischen Fußballvereins) und die Haltestellen des Busverkehrs sind seit ca. 2011 in der FF Transit beschriftet (vorher: Helvetica).

Die offiziellen Schriften der Stadtverwaltung sind Hermes FB (nur im Logo) und ThesisSans. Man findet sie zum Beispiel bei Schildern der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, auf Plakaten städtischer Veranstaltungen oder an Gebäuden von Ämtern (hier leider durch die Allerweltsschrift Arial ersetzt; ich glaube, das Corporate Design Manual erlaubt das im Ausnahmefall sogar, kann das Manual aber nirgendwo finden).

Tausendfach vorhanden

Ein wenig einheitlicher und deutlich präsenter sind die Hausnummernschilder. In Regensburg sind sie dunkelblau mit weißer Schrift (der Straßenname in Fraktur, Ziffern in Antiqua). Ein Pfeil zeigt an, in welche Richtung die Hausnummern aufsteigen. Außerdem stehen auf sehr vielen Schildern in der Altstadt noch die ursprünglichen Litera-Hausnummern.

Seit dem 12. Jahrhundert war die Regensburger Altstadt in acht sogenannte Wachten untergliedert, quasi Zuständigkeitsbereiche von Militär/Polizei. Jede Wacht wurde mit einem Großbuchstaben bezeichnet – von A für die Westnerwacht bis H für die Ostnerwacht, dazu kamen später J für den „Felddistrikt“ (= an die Altstadt grenzender, innerer Westen) und K für Kumpfmühl. Innerhalb einer Wacht waren die Häuser durchnummeriert. Die mittlere Hausnummer oben im Bild enthält übrigens einen „Übersetzungsfehler“: Offensichtlich war vom Vorgängerschild das Fraktur-A (siehe rechtes Schild) als U missverstanden worden.

Typen der Vergangenheit

Aber wie besonders sind solche Hausnummerntäfelchen wirklich? Gibt es die nicht genauso in mindestens fünfzig anderen Städten? Vielleicht sollte man lieber ein Stück weiter in die Vergangenheit reisen und findet dort einzigartige Schriftzeugnisse? Eine damals sehr bedeutende Inschrift definierte die alten Stadtmaße Fuß („statschuch“), Elle („statöln“) und Klafter, die für alle Bürger galten (Bild unten links). Die Maße stehen am alten Rathaus, wo sich auch der Reichstagssaal befindet, in dem zwischen 1663 und 1806 Sprichwörter entstanden sind wie „etwas am grünen/runden Tisch besprechen“ oder „etwas auf die lange Bank schieben“.

Ein regelmäßiges Phänomen in Regensburg sind auch die Donau-Hochwasser. Davon zeugen Wasserstandsmarkierungen an der Historischen Wurstkuchl (Bild unten mittig). Sie liegt am Donauufer neben dem Salzstadl, ganz in der Nähe der Steinernen Brücke. Bis 1146 war hier das Baubüro für die Steinerne Brücke, danach versorgte sie als Garküche unter anderem Steinmetze und Hafenarbeiter. Heute bekommt man dort Bratwürste auf Sauerkraut (natürlich mit süßem Senf) und Kartoffelsuppe.

Rund 300 Jahre alt sind viele Grabinschriften an der Klosterkirche St. Emmeram (Bild oben rechts). Die Kirche gehört zum Regensburger Schloss der Familie Thurn und Taxis, die das Postwesen in Europa aufgebaut hat. Sehr viel kann ich zu den Inschriften nicht erzählen, außer dass sie mir recht gut gefallen.

Schauwert: hoch

Wie interessant oder „sehenswert“ ein Schriftzug ist, kann schließlich auch ein gültiges Kriterium sein, nach dem man die Typografie einer Stadt auswählt. Die Meinungen düften hier zwar sehr auseinander gehen, denn objektiv ist diese Eigenschaft ja kaum … Wer allerdings immer nur mit objektivem Maßstab misst, übersieht vielleicht viele schöne, lustige, seltsame und kunstvolle Eigenheiten.

Oben links: Schusterladen (Weiße-Hahnen-Gasse); darunter: Übung eines Steinmetzlehrlings am Dom (ca. 1975); oben mittig: Buchstabenkugel des Metallbildhauers Peter Schwenk am Verlagsgebäude der Mittelbayerischen Zeitung; oben rechts: Ausschnitt aus dem Wappenschild an der Spitalbrauerei.
Links mittig: Kanaldeckel bei der Dombauhütte (sonst haben die Regensburger Kanaldeckel keine stadtspezifische Gestaltung); mittig: erhabene Hausanschrift in der Lindnergasse; links darunter: Ziffern am Walhalla-Bockerl (Lokomotive der ehemaligen Zugstrecke Regensburg–Walhalla).
Unten rechts: „Zum goldenen M“ am McDonald’s-Restaurants am Arnulfsplatz; unten mittig: Graffiti an einem Tor am Königshof; unten rechts: Stelen am Portal der Schottenkirche

Alles von Hand

Mit etwas Glück entdeckt man in der Stadt auch einige Arbeiten des Kalligrafen Johann Maierhofer, der sein Atelier in der Dänzergasse hat. Vor einigen Jahren hatte er beispielsweise viele Schaufenster in der Altstadt mit kurzen Versen beschriftet.

Ebenfalls handgemachte Schriftkunst findet man im sympathischen Laden Blinkfüer in der Oberen Bachgasse. Die Besitzerin Susanne Kauth arbeitet dort ganz ohne digitale Hilfsmittel und bedruckt im aufwendigen Handsatz verschiedene Materialien – größtenteils mit historischen Holz- und Bleilettern.

Und bei euch? Welche Schriften gibt es in eurem Wohnort zu entdecken? Wenn ihr die Augen offen haltet, findet ihr vielleicht eine schöne Ladenfassade, Gravuren in Mauern oder ungewöhnliche Beschilderungen. Ganz systematisch halten zum Beispiel die Betreiber des Blogs Berlin Typography ihre Entdeckungen fest.

Zum Herunterladen habe ich übrigens alle 24 verwendeten Bilder dieses Blogartikels in eine zip-Datei gepackt (unbearbeitet, in Originalgröße, rund 40 MB).

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Vorgaben hinter sich lassen

Ob im Tanz, Text oder Grafikdesign – wer Aufgaben von anderen kreativ bearbeitet, der kennt diesen einen Punkt. Irgendwann muss man aufhören, Informationen zu sammeln, zu recherchieren oder noch mehr Details zu erfragen. Dann heißt es selbst aktiv zu werden, offen für Ideen zu sein und zu versuchen, anhand der Vorgaben eine einfallsreiche Lösung zu finden – ohne ständig nachzuhaken, ob man immer noch richtig liegt.

Für meine Twitterserie Fuchs und Ballerina lauten die Vorgaben in etwa: Der Fuchs ist praktisch veranlagt und alltagsweise, die Ballerina oft unsicher aber sehr gefühlvoll. Jeder Tweet der Serie ist die Antwort des Fuchses. Die Frage der Ballerina entspringt aus deren Erfahrung, meist in einer ungewohnten Situation. Und das Ergebnis sollte möglichst keine Binsenweisheit sein. Hier nun die neusten Lösungen für diese selbstverordnete Aufgabenstellung:

⋑ „Überlege dir“, sprach der #Fuchs zur Ballerina, „ob es wirklich nötig ist, einen Weg zu gehen, der dir falsch erscheint.“ (#)

𐇛 „Wenigstens dabeigewesen zu sein“, sprach der #Fuchs zur Ballerina, „mag dich zwar jetzt nicht trösten, tut’s in einiger Zeit aber schon.“ (#)

𐇵 „Schlechte Laune ist ansteckend – gute aber auch“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Denke daran, wenn du mit anderen zusammenarbeitest.“ (#)

🙃 „Warte erst mal ab“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Was dir jetzt als Gemeinheit erscheint, könnte sich auch als Glücksfall entpuppen.“ (#)

𐇐 „In Wirklichkeit sind wir alle unsicher“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Es gelingt einigen nur, es besser zu verbergen.“ (#)

🞋 „Wenn dich jemand enttäuschend fand“, sprach der #Fuchs zur Ballerina, „wusste derjenige vielleicht auch einfach nicht, was er wollte.“ (#)

⧑ „Einen Plan B zu schmieden, bedeutet nicht zweifeln“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Es heißt nur, sich auf Misserfolge vorzubereiten.“ (#)

𐇲 „Riskier lieber manchmal, dich selbst zu belügen“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Besser als wirklich alles zweifelnd zu hinterfragen.“ (#)

⚙ „Er ist nicht unfreundlich“, sprach der #Fuchs zur Ballerina, „nur zurückhaltend und konzentriert. Gib ihm Zeit, dann klappt das schon.“ (#)

ᣫ „Frag nicht so viel“, sprach der #Fuchs zur Ballerina. „Jetzt kommt es auf deine eigene Ideen an.“ […] (#)

Meine Twitterserie ist über sieben Jahre alt und entsprechend gibt es schon mehr als 80 Folgen. Alle Blogeinträge zu dieser Twitterserie:

  1. … sprach der #Fuchs zur Ballerina
  2. Weisheiten für sensible Künstler
  3. Ballerinas Selbstzweifel
  4. Ein Fuchs für alle Fälle
  5. Pirouetten und andere Probleme
  6. Ausgefuchste Antworten
  7. Vorgaben hinter sich lassen

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Sonstiges

Warum „Charakterziffer“?

Das Wort kombiniert Persönlichkeit (Charakter) mit Sachlichem (Ziffer). Zusammengesetzt ergibt sich ein Synonym für Mediävalziffer, eine Zahlenvariante mit Ober- und Unterlängen.

Schriftarten dieses Blogs

Wenn dein Browser eingebettete Schriften (WOFF/WOFF2) unterstützt, dann liest du die Fließtexte hier in der Source Sans Pro von Paul D. Hunt, erschienen 2012 bei Adobe.

Die Überschriften sind aus der czSlab gesetzt, die ich für dieses Blog gestaltet habe. Sie orientiert sich an Yanones viel ausgefeilterer Antithesis von 2014.


Impressum

Anbieterkennzeichnung nach TMG §5:

Gerhard Großmann · Geibelplatz 10 · 93051 Regensburg
E-Mail: postfach2b [ät] web.​de, SMS: 0178/1961914

Rechtliche Hinweise

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Website zuletzt erstellt: 2017-08-09T14:15:41+02:00