Einfallsreiche Pflanzen

Anfang des Monats habe ich vom Kalifornischen Kappenmohn in meinem Garten versucht, für eine Freundin Samen einzusammeln. Zuerst habe ich die kegelförmigen Hütchen abgeknippst, aber nach einer Weile des Trocknens stellte sich heraus, dass darin keine Samen, sondern die zukünftigen Blüten stecken. Die Samen verbergen sich in schmalen Stiften, die etwas unauffälliger oben am Stiel sitzen.

Beim Trocknen färben sich diese Stifte braun; die Außenseite der Längsfasern schrumpft und bei einer der Samenhülsen ist es mir dann passiert: Wenn man den Rest des Stiels aus Versehen abbricht, springt die gespannte Hülse auf, die Fasern biegen sich blitzschnell nach außen. Mit dem Effekt, dass die kleinen schwarzen Samen-Kügelchen durchs ganze Zimmer fliegen und unter dem Druckertischchen verschwinden. Tja, der Kappenmohn hat den Bogen raus mit der Ausbreitung seiner Samen – und nicht nur der.

In einer Twitter-Serie habe mich ich letztes Jahr mit verschiedenen Verbreitungstaktiken von Pflanzen beschäftigt. Gewächse nutzen Wind (Anemochorie), Wasser (Hydrochorie) und viele andere „Helfer“, um ihre Samen möglichst weit zu streuen.

※ -chorie (1/9): Die vertrockneten Hülsenfrüchte des Ginsters platzen explosionsartig auf und schleudern den Samen einige Meter weit. (#)

ꔢ -chorie (2/9): Der Blasenstrauch pumpt seine Früchte mit Kohlendioxid auf. Im Wind fliegen sie dann mit den Samen davon. (#)

♌ -chorie (3/9): Bei wechselnder Feuchtigkeit streckt/krümmt sich der Schweif am Samen der Küchenschelle und bewegt diesen bis zu 20 cm. (#)

✹ -chorie (4/9): Kletten heften ihre Samen in das Fell von Tieren. Die Samen werden transportiert, ohne die Tiere belohnen zu müssen. (#)

ꖡ -chorie (5/9): Akazien lassen ihre Samen von Ameisen verteilen. Die Insekten erhalten Nahrung als Anhang & tragen die Samen ca. 95 m weit. (#)

ꖿ -chorie (6/9): Die Kokosnuss ist so gebaut, dass sie nach einer Reise im Meerwasser von Südindien nach Südamerika noch keimfähig ist. (#)

ꔶ -chorie (7/9): Die Erdbeerpflanze bildet meterlange Ausläufer, an denen sich zusätzliche Wurzeln und neue Pflanzen entwickeln. (#)

ꔮ -chorie (8/9): Wenn die Rose von Jericho eintrocknet, trennt sie sich von ihrer Wurzel und rollt mit dem Wind zu einem neuen Standort. (#)

⦼ -chorie (9/9): Tomaten packen ihre Samen in leckere Früchte, um Menschen anzuregen, die Pflanze zu verbreiten und zu kultivieren. (#)

Die Nachsilbe -chorie steht wörtlich für „Land, Raum“. Einen guten Überblick über die Verbreitungswege verschiedener Pflanzen bietet der Wikipedia-Artikel Samenausbreitung.

---
Rubrik(en):  #serie 

Artikel kommentieren

Kommentare werden überprüft, bevor sie veröffentlicht werden. Alle Angaben sind freiwillig, es gibt keine Pflichtfelder (außer das Kommentarfeld selbst).

 (Pseudonym möglich)
 (wird nicht veröffentlicht)

Formatierungen mit HTML sind möglich, z. B. <em>betont</em>, <strong>hervor­gehoben</strong> oder <code>Quelltext</code>. Außerdem Verlinkungen (<a href="http://verlinkte-website.de">Linktext</a>) und Bilder (<img src="http://pfad-zum.de/bild.jpg" alt=Bildbeschreibung">).

← Zwischen Trennung und Verbundenheit

Kein Kalender von der Stange →