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Vier Plakate fürs Chorkonzert

Seit einigen Jahren gestalte ich für unseren Kirchenchor das Plakat und das Programmblatt des Jahreskonzertes im Herbst. Die Aufgabe macht mir recht viel Spaß, weil ich kaum Vorgaben habe und viele Dinge ausprobieren kann. Gut, einige Einschränkungen gibt es natürlich schon: Plakat und Programm dürfen nur schwarz-weiß sein, Text und Thema stehen fest und auch das Logo der Kirchengemeinde muss vorhanden sein.

Eigentlich gibt es von der Gemeinde her auch Schriftvorgaben – einst Comic Sans und Helvetica, jetzt Century Gothic. Da meine Plakate aber in der Regel stark typografisch sind, setze ich mich darüber hinweg. Ich möchte nicht auf die Möglichkeit verzichten, schon durch die Schriftart einen Teil der Botschaft zu übermitteln.

Es folgen vier Beispiele (die Vorschaubilder sind mit größeren Abbildungen verlinkt). Mehr über unseren Chor erfährt man auf der Website von Angelika Hanzlick, der Chorleiterin.

2016: „Stimmt alle mit uns ein“

Für unser diesjähriges Konzert wollte ich mich zuerst an einer Einladungskarte mit Lückentext orientieren, wie sie typischerweise für Kindergeburtstage verwendet wird. Das war aber grafisch nicht besonders ansprechend und hat die Einladung zum Mitsingen auch nicht überzeugend vermittelt.

Ausschnitte aus dem Chorplakat und -programm von 2016

So habe ich dann (mit dem Wort einstimmen im Hinterkopf) die Stimmgabel meiner Chorleiterin fotografiert und als recht guten Blickfang mitten aufs Plakat gelegt. Als Schrift bot sich die Inknut Antiqua an, die mich mit ihren keilförmigen Strichenden an die eckigen Notenköpfe der gregorianischen Choralnotation erinnert. Um die Fließtexte weniger grob und besser lesbar zu setzen, habe ich dafür auf die PT Serif zurückgegriffen, die ebenfalls keilfömige Abschlüsse besitzt (aber deutlich feiner).

2014: „Vom Werden und Vergehen“

Das beste Symbol für Entstehung und Vergänglichkeit ist für mich der Kreis. Aber nicht der geometrisch gezirkelte Kreis, sondern einer mit kräftigeren Stellen, Ausfransungen und anderen Unregelmäßigkeiten (es läuft im Leben schließlich nicht immer alles rund).

Ausschnitte aus Plakat und Programm von 2014

Als Schrift habe ich mich für die Noticia Text entschieden, deren Rundungen ebenfalls kleine Brechungen aufweisen.

2012: „Klassik trifft Moderne“

In diesem Konzert trafen zwei ganz unterschiedliche Musikepochen aufeinander. Genauso kontrastreich war mein Plakat mit schwarzen und weißen Flächen. Damit sie nicht ruhig nebeneinander stehen, habe ich sie sich in einer dynamischen Diagonale begegnen lassen, was in der Textgestaltung stellenweise eine ziemliche Herausforderung bot.

Ausschnitte aus den Chormaterialien von 2012

Die gewählte Schrift FF Quadraat basiert auf traditionellen Proportionen aus der Renaissance, hat in der Ausführung aber eher moderne Formen, passt also perfekt zum Thema und ist für alle typografischen Feinheiten gerüstet. Leider konnten die Materialien im Pfarramt nicht randlos gedruckt werden; ich hätte die schwarzen Flächen gerne bis zur Papiergrenze laufen lassen. Ersatzweise habe ich dann im dreiteiligen Programmblatt eine Rahmenlinie eingesetzt, um eine sichtbare Grenze um die Weißflächen zu ziehen.

2010: „Nun komm, der Heiden Heiland“

Das Konzert vor sechs Jahren war erst spät im Dezember. Als Bildmotiv habe ich hier den Weihnachtsstern gewählt, der ja thematisch passend die Ankunft und Geburt Christi ankündigt.

Chormaterialien von 2010

Umgesetzt habe ich den Stern mit Wasserfarbe, dazu die handschriftartige Franz Engel (eine selbstentwickelte Schrift) – so soll die Gestaltung einen „volksnahen“, gemeindlichen Eindruck vermitteln. Nichts perfektes oder behördlich verordnetes, sondern etwas einfaches, handgemachtes – so wie Jesus in einer Futterkrippe zur Welt kam und nicht im sterilen Kreißsaal. Die dazu passende Textschrift ist Linux Libertine, auch mit echten Kapitälchen.

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Rubrik(en):  #methodik  #typografie 

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