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Apposition mit inkongruentem Kasus

In Radiospots tauchen hinter einer Produktbezeichnung oder einem Firmennamen sehr oft kleine Ergänzungen auf, zum Beispiel:

„Diese Sendung wird präsentiert von Rundmüller, Ihr(em) exklusiver/n Autohändler.

„Das gibt’s auf der Regensburger Bildungsmessedie/der Arbeits- und Ausbildungsbörse.

Die Ergänzungen haben immer ein Bezugswort, das sie näher bestimmen (im Beispiel kursiv). Es handelt sich dabei aber nicht um Relativsätze (denn ihnen fehlt das Verb), sondern um eine Apposition („Beisatz“).

Manchmal ist nicht ganz klar, in welchem Kasus (grammatischen Fall) so eine Apposition stehen soll. Auch bei den obigen Beispielen habe ich ja zwei Möglichkeiten genannt. Die erste davon (der Nominativ) klingt dem Sprachgefühl nach viel unmittelbarer und deutlicher. Standardsprachlich korrekt muss eine Apposition aber immer im gleichen Fall stehen wie das Bezugswort („kongruenter Kasus“):

„Entdecken Sie die Vorteile der Putzfee, des Reinigers für Profis.“ (Genitiv)

„Unterstützt von Pizzabräter, dem italienischen Essens-Innovateur.“ (Dativ)

„Holen Sie sich das Modell 601, den besten Trabant aller Zeiten.“ (Akkusativ)

Das schreibt sich sehr einfach, wenn man zum Testen das Bezugswort einfach mal weglässt: „Holen Sie sich […] den besten Trabant aller Zeiten.“

Wo ein anderer Kasus erlaubt ist

In der Standardsprache gibt nur zwei Ausnahmen, bei denen Bezugswort und Apposition einen unterschiedlichen Fall haben („inkongruenter Kasus“): Erstens wenn die Apposition zwar ein gebeugtes Adjektiv aber kein Artikelwort (der, ein, Ihre, dieser, keine, …) besitzt:

„Ab zum Bauermann, stadtbestes Modegeschäft.“
(selten: stadtbesten Modegeschäft)

Und zweitens wenn weder Artikel noch Adjektiv vorkommen. Die Apposition steht dann im Nominativ:

„Das Design eines Holzmüllers, Künstler von Welt.“
(nicht: Künstlers von Welt)

Und jetzt?

Ein Argument für falsche Grammatik

Wie erkläre ich meinem (Werbe-)Kunden, dass es sich aber besser anhört, wenn es grammatikalisch falsch ist? Man könnte auftrumpfen mit: Natürlich sollten Bezugswort und Apposition standardsprachlich im Kasus kongruent sein. In der gesprochenen Sprache empfiehlt sich hier aber der Nominativ, weil die Apposition dadurch unmittelbarer und deutlicher wirkt und eben nicht nur eine bloße, eher unwichtige Beifügung zu Ihrem Produkt-/Marken-/Firmennamen.

Als Werbetexter macht man grammatikalisch ja oft krude Sachen (unvollständige Sätze, Wortneuschöpfungen, …), aber keine Sorge: Zwar ist Sprachverhunzung natürlich streng verboten, aber kreativ mit der Sprache zu spielen ist sogar eine Pflicht – vor allem wenn eine Aussage dadurch deutlicher wird. Man muss halt nur wissen, was man tut – und es gut begründen können.

PS: Schön nachzulesen gibt es das Thema Appostition bei canoo.net.

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Rubrik(en):  #methodik 

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