Manches braucht mehr als 140 Zeichen …

Auf dieser Website ist Platz für das, wofür mein Twitterprofil @charakterziffer nicht ausreicht. Mein Blog ist als Plus zu meinen Tweets gedacht, eben „@cz+“. // Die letzten drei Artikel:

Gefühlt wahr

Etwas ist wahr, wenn es sich richtig anfühlt – auf diesen Trugschluss spielt der Begriff „postfaktisch“ an, der von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres 2006 bestimmt wurde. Das Oxford English Dictionary hatte das entsprechende Pendant “post-truth” schon zum International Word of the Year gekürt. Keine gute Entwicklung, wenn die Gesellschaft die Glaubwürdigkeit vermeintlicher Tatsachen danach beurteilt, ob sie gefühlt ins eigene Weltbild passen.

Aber wie sollte man denn sonst entscheiden, welcher Behauptung man Glauben schenkt? Ich denke, eine gute Portion gesunder Menschenverstand hilft schon mal bei einer ersten Einordnung. Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein (oder zu empörend), dann ist es oft genug auch nicht wahr. Als zweites schaut man sich an, wer diese Behauptung eigentlich verbreitet. Ist derjenige in der Vergangenheit schon öfter durch Meinungsmache oder falsche Aussagen aufgefallen? Ist es jemand, der zu seinen Fehlern steht, sie öffentlich korrigiert und sich selbst auch mal hinterfragt?

Als drittes kann man sich überlegen, mit welcher Absicht eine Behauptung möglicherweise aufgestellt wurde. Wer profitiert davon, wer wird in Misskredit gebracht? Wenn man es jetzt noch schafft, keiner Verschwörungstheorie anheim zu fallen und die Behauptung vielleicht nochmal googelt mit einer möglichst neutralen Suchmaschine überprüft, ist man gut gerüstet.

… und kann sich gefahrlos meinen erfundenen Fakten aussetzen, einer Twitterserie, die es schon gab, als das Wort „postfaktisch“ noch gar keinen Wikipedia-Artikel hatte.

⦼ Erfundenes Faktum № 61: Damit sich Plätzchen in der Dose länger halten, sollte man sie mit viel Salz bestreuen. Es bindet Feuchtigkeit. (#)

💸 Erfundenes Faktum № 62: Wegen des Sturms wurde in vielen Gemeinden das traditionelle Geldverbrennen zum Aschermittwoch abgesagt. (#)

ⴚ Erfundenes Faktum № 63: Um zu verhindern, dass sich Metall in Lebensmitteln anreichert, sollte man Konserven baldmöglichst aufbrauchen. (#)

↭ Erfundenes Faktum № 64: Tratsch hat seine Ursache vor allem in der guten Absicht, andere Leute vor bösen Mitmenschen zu schützen. (#)

🜚 Erfundenes Faktum № 65: Das @CERN finanziert seine Forschungen, indem es aus Blei im Teilchenbeschleuniger Gold herstellt. (#)

𐇯 Erfundenes Faktum № 66: Um leichter im Traum fliegen zu können, sollte man beim Schlafen sehr weiche Wollsocken tragen – und umgekehrt. (#)

𐆀 Erfundenes Faktum № 67: Einige Radiosender unterlegen ihr UKW-Programm jetzt mit Rauschen, um den Verkauf von Digitalradios anzukurbeln. (#)

❄ Erfundenes Faktum № 68: Wer häufig in die Kälte geht, fördert im Körper die Bildung von Glycotivat, einem natürlichen Frostschutzmittel. (#)

🌟 Erfundenes Faktum № 69: Bevor gesicherte Informationen ein Ereignis eventuell banalisieren, sollte man zügig mit Spekulationen beginnen. (#)

🌻 Erfundenes Faktum № 70: Eigentlich bezeichnet „postfaktisch“ nicht die gefühlte Wahrheit, sondern wahre Gefühle […] (#)

Diese Twitterserie gibt es übrigens schon seit Dezember 2010. Als Blogeintrag gebündelt habe ich die Folgen 1–16, 17–28, 29–40, 41–50, 51–60 und 61–70.

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Gute Vorsätze

Im vergangenen Jahr bin ich über 120 Stunden spazieren gegangen – mindestens 20 Minuten jeden Tag. Das hatte ich mir als guten Vorsatz für 2016 vorgenommen. Ich arbeite viel am Computer und fand, gerade in der dunklen Jahreszeit ist Bewegung an frischer Luft eine gute Idee. Als kleine Motivation habe ich mir eine Karte meines Viertels gedruckt, in die ich die tägliche Route eingetragen habe. So bekam ich Lust, neue Strecken zu laufen und meine Spaziergänge in „unmarkierte“ Gebiete auszudehnen.

Karte meiner Spaziergänge (zweites Halbjahr, Ausschnitt)

Zwanzig Minuten täglich waren eine gute Zeit: So kurz, dass man sie zur Not dazwischen schieben konnte; aber lang genug, um nicht nur einmal um den Block zu laufen. Tatsächlich führte mein längster Spaziergang mit einem Freund in über vier Stunden hinunter in den Regensburger Hafen, einmal um die Insel Untere Wöhrd und über die Steinerne Brücke und den Evangelischen Zentralfriedhof zurück in den Stadtsüden. Die kürzesten Spaziergänge waren dann abends noch schnell eine Schleife durch die näheren Nachbarstraßen.

Warum gute Vorsätze?

Eigentlich nehme ich mir jedes Jahr eine Kleinigkeit vor. Ich hatte schon komplett computerfreie Samstage, tägliche einfache Fitnessübungen, einen wöchentlichen Eintrag ins Tagebuch. Und auch etwas eher Abstraktes wie „nicht alles so schwer nehmen“.

Für mich das wichtigste an Vorsätzen ist, dass man sie beschließt, um sich selbst etwas Gutes zu tun. Man muss schon wirklich wollen, wofür man sich entscheidet; dann kann man den guten Vorsatz nämlich als Chance sehen, das jetzt mal durchzuziehen. Sich etwas nur vorzunehmen, weil andere es gut finden oder weil es aus irgendwelchen Gründen gesellschaftlich erwünscht ist, halte ich für wenig sinnvoll. Besser überlegt man sich etwas, in dem man wirklich einen Gewinn für sich sieht, womit man ein persönliches Ziel erreicht. Das muss auch nicht besonders aufwendig oder weltbewegend sein.

Durchhalten!

Es beginnt meist mit einer allgemeinen Idee, zum Beispiel „Mehr Bewegung wäre toll“ oder „Ich könnte wieder mehr Tagebuch schreiben“. Wenn das der ganze Vorsatz ist, dann wird es garantiert nichts. Der Trick ist, ganz konkret zu formulieren, was man tun möchte; also „Jeden Tag zwanzig Minuten spazieren gehen“ oder „Jede Woche eine halbe Seite schreiben“. Dinge, die man konkret tun kann, sind auch leichter umzusetzen als Dinge, die man unterlässt. Wenn man also eine schlechte Angewohnheit loswerden will, sucht man sich vielleicht einen guten Ersatz dafür, den man stattdessen umsetzt.

Was mich prima zum Durchhalten motiviert, ist eine Art Dokumentation – wie die oben genannte Spaziergehkarte. Beim Tagebuchschreiben habe ich neben das Datum einfach immer die Wochennummer notiert und hatte damit eine Rückmeldung und den Wunsch, die Serie fortzusetzen.

Ein guter Trick ist, Freunden vom guten Vorsatz zu erzählen – vor allem, warum man das macht und was man sich davon erhofft. Dabei bestärkt man sich selbst gleich mit. Auch Zwischenziele können motivieren (nach dem 10. Fitnessstudiobesuch, nach 50 vegetarischen Mahlzeiten, …). Dafür darf man sich dann auch ruhig mal belohnen; möglichst mit etwas, das nicht direkt mit guten Vorsatz zu tun hat – also kein Extra-Stück Torte beim Abnehm-Ziel.

Sich selbst überlistet man, indem man die Schwierigkeit erst allmählich steigert. Bei meinen Fitnessübungen war die Anzahl der Wiederholungen an die Wochennummer gekoppelt. Es ging im Januar also ganz simpel mit täglich einer Liegestütze, Kniebeuge etc. los und steigerte sich dann auf 52 Wiederholungen am Jahresende (die ich dann aber nicht mehr am Stück gemacht habe ☺).

Ein bisschen Scheitern ist erlaubt

Was einem Vorsatz sehr schadet ist Perfektionismus. Sehr leicht gibt man eine Sache nämlich auf, weil sie nicht hundertprozentig so klappt, wie man sie sich vorgenommen hat. Beispielsweise war ich nach schwerer Gartenarbeit mal zu erschöpft für noch einen Spaziergang, hatte ihn an einem Tag einfach vergessen, fühlte mich zu erkältet oder habe stattdessen den Keller aufgeräumt. Es ist okay, sich ein paar solcher Nachlässigkeiten zu gestatten. Ein zu 97 % erfüllter Vorsatz ist besser, als einer, der Ende Januar gänzlich abgebrochen wird.

Für 2017 habe ich mir übrigens vorgenommen, jede Woche ein unbekanntes Lebensmittel zu probieren. Ich möchte meinen Geschmack herausfordern, bewusster essen und vielfältiger einkaufen. Bin gespannt, ob ich 52 unterschiedliche Nahrungsmittel finde, die ich bisher noch nicht gegessen habe. Vielleicht lockere ich den Vorsatz auch ein wenig und lasse auch Dinge gelten, die ich seit mehr als fünf Jahren nicht mehr probiert habe (beispielsweise Litschis oder rote Beete).

Wie haltet ihr es mit guten Vorsätzen? Habt ihr euch eine Herausforderung für 2017 vorgenommen? Gibt es etwas mit dem ihr leider immer wieder scheitert? Ich freue mich über Kommentare!

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2017 übersichtlich und detailliert

Ein idealer Kalender sollte mir ausreichend Platz bieten, damit ich drei bis vier Anmerkungen zu einem Tag notieren kann. Andererseits sollte er übersichtlich sein, d. h. aus einer gewissen Entfernung lesbar sein und den Blick auf mehrere Tage oder Wochen gleichzeitig ermöglichen.

Raumgreifend wie ein Jahresposter darf mein Kalender aber nicht sein, sondern möglichst kleiner als DIN A4. Schöne Landschaftsfotografien brauche ich nicht unbedingt, doch eine ansprechende Gestaltung wäre schön. Klingt unmöglich? Ach was!

Details meines Halbmonatskalenders 2017

Schon 2012 habe ich das Design für einen ausgewogenen Halbmonatskalender entwickelt, den ich mir seitdem jedes Jahr neu erstelle und an die Wand neben meinem Arbeitsplatz hänge. Mit ein bisschen Übung kann man leicht erkennen, welches Quadrat zu welchem Wochentag gehört. Als Schriftart kommt diesmal die Fira Sans von Mozilla zum Einsatz.

Wer meinen Kalender selbst verwenden möchte, kann unten das PDF herunterladen. Nach dem Ausdrucken einfach die Blätter halbieren und sortieren. Ich nutze als Halterung eine Vielzweckklammer („Foldback-Klammer“). Möglich ist aber auch, die einzelnen Seiten mit einer Spiralbindung zu versehen (Copy-Shop), sie an der oberen Kante leicht zusammenzuleimen, zu klammern oder alle Blätter mittig zu lochen und an einen Nagel zu hängen.

Kalender herunterladen
(PDF-Datei, 325 kB)

Falls euch das Kalenderformat gefällt, bitte weiterempfehlen. Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Leute meinen Halbmonatskalender praktisch finden. Änderungswünsche oder Anregungen gerne als Kommentar.

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Sonstiges

Warum „Charakterziffer“?

Das Wort kombiniert Persönlichkeit (Charakter) mit Sachlichem (Ziffer). Zusammengesetzt ergibt sich ein Synonym für Mediävalziffer, eine Zahlenvariante mit Ober- und Unterlängen.

Schrift­arten dieses Blogs

Wenn dein Browser eingebettete Schriften (WOFF/TTF) unterstützt, dann liest du die Fließtexte hier in der Source Sans Pro von Paul D. Hunt, erschienen 2012 bei Adobe.

Die Überschriften sind aus der Bitter von Sol Matas gesetzt, die der argentinische Schriftverlag Huerta Tipográfica 2011 veröffentlicht hat.

Hintergrundmuster

Das Hintergrundbild dieser Website beruht auf dem Muster „Shattered“ von Luuk van Baars, entdeckt auf Subtle Patterns.


Impressum

Anbieterkennzeichnung nach TMG §5:

Gerhard Großmann · Geibelplatz 10 · 93051 Regensburg
E-Mail: postfach2b [ät] web.​de, SMS: 0178/1961914

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Website zuletzt erstellt: 2017-01-16T09:32:54+01:00